Gruppenportratis: Mit welchem Objektiv mache ich die besten Gruppenfotos?

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Mit welchem Objektiv
macht man die besten Gruppenportraits?


Normalobjektiv, Weitwinkel oder Tele?

Welches der 3 Objektive ist  am „Besten“?

Jeder, der sich mit Fotografie beschäftigt, wird irgendwann mal in folgende Situation kommen:
Ein Gruppenfoto wird verlangt.
Doch was ist dabei zu beachten?
Gruppenfotos macht doch jeder Mensch.
Mit dem Smartphone am Baggersee oder das „3-Personen-Selfie“ von der Eckkneipenrunde.
Und was, wenn man etwas anspruchsvoller fotografieren möchte?
Welches Objektiv verwendet man da am besten?
Zur „Objektivfrage“ bei Gruppenportraits gibt es unterschiedliche Meinungen.
Deswegen gehe ich speziell auf die Objektivwahl und die daraus folgenden bildtechnischen Effekte ein.

Welches Objektiv nehme ich?
Weitwinkel-,Tele- oder Normal?

Sicherlich kommt es bei einem Gruppenfoto auf viele Faktoren an:
Wie sind die Aufnahmebedingungen?
Wie groß ist die Gruppe, die fotografiert wird?
Und wie soll das Bild aussehen?
Danach richtet sich die Wahl des Objektives.
Grundsätzlich gilt: Man kann mit jedem Objektiv tolle Gruppenfotos machen!
Ja, auch mit einem Fisheye!
Das dominante Stilmittel, die „runden Gesichter“, das man mit diesem starken Weitwinkel-Objektiv erzeugt, ist natürlich speziell. Und keine Garantie für ein gutes Portrait. Es ist nur ein Effekt, der dezent verwendet, lustig wirken kann.
Welche Vor- und Nachteile haben denn die einzelnen Objektive, bezogen auf ein Gruppenfoto?

35mm

Ein 35mm Objektiv: Der Klassiker unter den Weitwinkelobjektiven (Bildquelle:Amazon.de*)

Das Weitwinkelobjektiv (35mm und weniger)

Vorteil:
Man kann „nah an die Gruppe ran“.
Bei Platzproblemen (z.B. bei einem Gruppenfoto in einer Telefonzelle), ist das nützlich.
Die kurze Entfernung zur Gruppe kann ein unschätzbarer Vorteil sein.

Nachteil:
Ein Weitwinkelobkektiv hat einige Eigenschaften, die sich für Portraitfotos als „suboptimal“ herausstellen könnten.
Man kann diese „Nachteile“ aber auch als Stilmittel benutzen.
Generell sollte man von ihnen Kenntnis haben und sie bei der Aufnahme auch beachten.

Die Verzeichnung beim Weitwinkelobjektiv (meist tonnenförmig)

Diese Objektive verzeichnen stärker tonnenförmig.
Das bedeutet, die Linien auf dem Foto erscheinen nach außen hin gewölbt.
Der Effekt: Personen bekommen „Knubbelgesichter“.
Wenn ihr nicht wollt, dass Oma und Opa und deren Seniorenchor „rundlicher“ wirken, dann verwendet kein Weitwinkelobjektiv.
Diesen Effekt der Verzeichnung haben grundsätzlich alle Weitwinkelobjektive.
Die einen mehr, die anderen weniger.
Bei Gruppenfotos ist das auch nicht so schlimm. Meistens fällt die Verzeichnung bei einer Gruppe auch nicht so stark auf, wie z.B. bei einem Headshot.
Generell kann man viele Abbildungsfehler (wie die Verzeichnung) auch durch die gängigen Fototools (Lightroom und co.) entfernen.
Also lasst euch keine grauen Haare wachsen, wenn ihr seit Jahren Gruppenfotos mit einem Weitwinkelobjektiv macht.
Mann sollte diese Eigenschaft der Objektive jedoch kennen.
Oft ist dieser Effekt auch gewünscht (z.B. bei lustigen Fisheye-Gruppenfotos von einem Junggesellenabschied)!
Weitwinkelobjektive sind nicht mehr als reine „Reportage-Objektive“ zu sehen. Sie haben Einzug in der modernen Portraitfotografie gehalten.
Und das nicht nur bei skurrilen Fisheye-Portraits.
Wer bei seinen Portraits viel mit Raum arbeitet, der wird vielleicht auf ein 35mm-Objektiv zurückgreifen wollen.

So sieht Verzeichnung aus
Was Verzeichnung ist, sollte nun klar sein.
Aber wie sieht das praktisch aus?
An Bildfüllenden Headshots erkennt man den Effekt am besten.
Deswegen zeige ich zur Verdeutlichung zwei Fotos aus einem meiner Portraitshootings.
Das erste Foto wurde mit einem 8mm Fishey-Objektiv (Sigma 8mm F3,5 EX DG*) gemacht.
Das zweiten Foto ist mit einem Normalobjektiv. (Canon 50mm 1.8*) entstanden.
Man erkennt den Unterschied.

Fishey-Portrait

Der Effekt der kissenförmigen Verzeichnung fällt bei Headshots besonders auf: An dem Beispiel für ein Fisheye-Portrait erkennt man: Das Gesicht wirkt rundlicher (Making-Of Foto beim Schminken).

 

50mm-Portrait

Vergleichsfoto aus dem Selben Shooting: (50mm)

Hohe Tiefenschärfe und mieses Bokeh: das Weitwinkelobjektiv

Eine Eigenschaft von Weitwinkelobjektiven ist, das alles scharf ist,
sprich sie haben eine hohe Tiefenschärfe.
Das Bokeh von Weitwinkelobjektiven ist meistens nicht so der Bringer.
Deswegen gibt es auf solchen Fotos oft keine saubere Trennung von Vorder- und Hintergrund.
Ein „Freistellen der Gruppe“, was man bei Gruppenportraits oft möchte, ist schwierig.
Man kann auch sagen, das ist mit Weitwinkelobjektiven gar nicht möglich.
Man kann die Unschärfe natürlich auch in mühevoller „Handarbeit“ in Photoshop nachbasteln.
Aber wer will das schon?
Andererseits kann man diesen Effekt auch nutzen um die Umgebung mit darzustellen.

13-10-Puri-Family-IMG_5650-Puri (1)-18mm

Beispiel für ein „Weitwinkel-Gruppenfoto“ in der Street-Photography: Aufgrund der guten Tiefenschärfe, kann man Weitwinkel dazu verwenden, mehr von der Umgebung zu zeigen. Bei diesem Gruppenportrait in Süd-Indien wird die Familie und die Tempelumgebung dargestellt. (Bildquelle: Bildband „People & Cows – India Black and White )

Das Normalobjektiv (50mm)

Man kann super freistellen.
Es hat ein Bokeh bei offenblendigen Aufnahmen!
Es gibt kaum Verzeichnung auf den Fotos!
Kurz, es ist gut geeignet für Gruppenfotos.
Vorausgesetzt man hat genug Platz und die ausreichende Distanz zur Gruppe.
Für mehr Informationen über das 50mm-Objektiv, das ein wahres „Universal-Tool ist
und viel zu wenig Beachtung findet, verweise ich auf meinen Artikel: Das 50mm-Geheimnis.

Das Normalobjektiv: 50mm 1.8 (Bildquelle:Amazon.de*)

Das Teleobjekitv (80mm und mehr)

Vorteil:
Mit einem Teleobjektiv kann man eine Gruppen noch besser freistellen, als mit einem Normalobjektiv (50mm)
Es gilt der Grundsatz: „Je größer die Brennweite des Objektivs, desto geringer fällt die Schärfentiefe aus“
Unschöne Elemente im Hintergrund können mit einem Teleobjektiv super in die Welt der Unschärfe geschickt werden.
Meistens haben Teleobjektive auch ein schönes Bokeh.

 

 

Ein leichtes Teleobjektiv (85mm Canon 1.8) (Bildquelle:Amazon.de*)

Nachteil:
Man braucht die nötige Distanz zur Gruppe. Deswegen ist es nicht überall einsetzbar.
Man sollte etwas darauf achten, dass keine Person aus der „Schärfeebene“ hinauswandert, wenn man mit starker Offenblende fotografiert.

Ein leichtes Tele kann man aufgrund dieser Eigenschaften gut für Gruppenfotos verwenden.

Weitere Ausführungen zu leichten Teleobjektiven findet ihr in diesem Artikel: 85mm das Headshot-Objektiv.

Fazit: Und welches Objektiv ist „das Beste“?
„Das Beste“ Objektiv gibt es nicht!
Es kommt ganz auf eure Arbeitsweise an.
Lasst euch das bloß nicht von der Kameraindustrie einreden.
Es kommt viel mehr darauf an wie ihr das Objektiv einsetzt und das ihr seine Eigenschaften kennt.
Wenn die Aufnahmebedingungen es zulassen, dann solltet ihr zum Normalobjektiv oder einem leichten Teleobjektiv greifen.
Damit seid ihr auf der sicheren Seite beim Freistellen der Gruppe.
Oft kann es wegen der Raumgröße auch notwendig sein, dass ihr ein Weitwinkel verwendet.
Wollt ihr die Umgebung einbeziehen und mit dem Raum arbeiten, dann ist ein Weitwinkel eine gute Wahl.
Denkt dabei aber immer an die Eigenschaften des Weitwinkelobjektivs (kein vernünftiges Freistellen und die Verzeichnung).

 

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