Ein Portraitobjektiv? Das Canon 85mm 1,8 UMS – Review

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Das Canon 85mm 1,8 UMS Review

Ein leichtes Tele im Bereich 80135mm gehört zur Standardausrüstung für jeden Portraitfotografen.

Ich habe schonmal ausführlich über das 50mm-Geheimnis geschrieben. Das beliebte „nifty- fifty“ von Canon kann bei Crop-Faktor-Kameras die Funktion eines leichten Teleobjektivs übernehmen. Was macht man, wenn man eine Kamera mit Vollformatsensor hat oder einen stärkeren Bildausschnitt braucht (z.B. für Headshots)?
Da muss dann wohl ein neues Objektiv her!
Aufgrund der guten Resonanz und der Forderung mehr über Objektive zu schreiben, stelle ich heute einen „großen Bruder“ des kleinen 50 mm Objektives vor:
Das Canon 85mm 1,8 UMS. Canon EF 85mm 1,8*

Canon 85mm 1.8

Das Canon 85mm 1.8 ist ein leichtes Teleobjektiv gut für Portraitfotos zu gebrauchen.

Wofür braucht man in der Portraitfotografie ein leichtes Teleobjektiv?

Ein leichtes Teleobjektiv eignet sich hervorragend für die Portraitfotografie Brennweite von 80−135mm sind generell gut geeignet um Headshots und Halbportrais zu fotografieren. Zu dem Thema „Headshot-Fotografie“ werde ich aber nochmal einen ausführlichen Artikel verfassen.

Warum eignet sich das 85mm Objektiv besonders gut für Portraitfotos?

Das Objektiv ermöglicht es, eine gute Distanz zum Model zu wahren. Oder anders ausgedrückt: Mit einer Brennweite von 85mm braucht man z.B. dem Model nicht so stark auf die Pelle zu rücken, um ein formatfüllendes Foto vom Gesicht zu machen. Für mich sind deswegen Brennweiten von 80−100mm der perfekte Headshotbereich. Ein Gesicht, dass mit einem Teleobjektiv aufgenommen wird, wirkt generell „flacher“. Bei 85mm ist dieser Effekt (die Brennweitenverzeichnung) noch nicht so stark ausgeprägt wie bei 300mm.

Objektive mit 85mm haben noch eine recht geringe Verzeichnung, diese ist für Portraitfotos ideal. Vom Blickwinkel und der Distanz zum Model entspricht die Brennweite genau meinen Bedürfnissen, die ich in der Peoplefotografie habe. Auch im Outdooreinsatz ist das Objektiv praktisch, wenn der Hintergrund stört und „unscharf gemacht werden muss“.
Aber ich greife vor…

85mm-Bokeh

Das Bokeh bei dem 85mm 1.8 von Canon mit zwei verschiedenen Blendenstufen.
Links Blende 5.6 rechts Blende 1.8

Die typischen Vor-und Nachtteile von Festbrennweiten findet man natürlich auch bei dem Canon 85mm 1,8. Hier folgt eine stichpunktartige Aufzählung:

Vorteile:

– gute Bildqualität
– leichteres Objektiv
– günstiger
Nachteile:
nur eine Brennweite
– nicht so flexibel wie ein Zoomobjektiv

Konkrete Vor- und Nachteile des 85 mm Canon

Postiv:

Das Objektiv ist klein, leicht und handlich. Die Blende 1.8 ermöglicht Aufnahmen mit sehr geringer Schärfentiefe. Das macht das Objektiv auch so wertvoll für die Portraitfotografie. Ganz oft möchte man bei Portraitfotos den Fokus auf die Person richten. Ein Mittel ist den Hintergrund „unscharf zu machen“. Das Zauberwort heißt hier Offenblende. Bei einer Offenblende von 1,8 erzeugt das 85mm Objektiv ein sehr gleichmäßiges Bokeh.

85mm-Herbstfoto

Herbstlaub mit dem Canon 85mm 1.8.
links Blende 1.8, rechts die gleiche Aufnahme mit der Blende 8


Negativ:

Der Mindestabstand beträgt 85 cm  (die Naheinstellgrenze). Wenn man Detailaufnahmen fotografieren möchte (z.B. bei einem Bodypartsshooting) kann das ein Negativpunkt sein.
Das ist nichts, das bei klassischen Portraitaufnahmen passieren sollte. In der normalen Peoplefotografie ist es auch eher unüblich so nah ranzugehen.
Für solche Aufnahmen und einige andere Situationen nutze ich ein Makroobjektiv, das Tokina ATX 100mm – 2,8 Pro D Macro* (aber das nur am Rande).

Was ist zum Bokeh zu sagen?

 

85mm-1-8-Blende

Eine Blendenreihe: Blende 1.8. Man beachte das Bokeh (aufgenommen mit dem Canon 85mm 1.8).

85mm Statue

Eine Blendenreihe: Die Blende 5.6. Das Bokeh kommt bei dunklem Hintergrund nicht so stark zur Geltung (aufgenommen mit dem Canon 85mm 1.8).

85mm Blende 10

Eine Blendenreihe von einer Statue: Die Blende 10 (aufgenommen mit dem Canon 85mm 1.8)

Achtet auf den Cropfaktor!

Einen kleinen “Wermutstropfen“ hat das 85mm Objektiv jedoch.
Bei Kameras die einen Cropfaktor haben, (z.B. Kameras mit APS-C Sensor ) ist folgendes zu beachten: Der Bildausschnitt des Objektivs verändert sich. Wenn man das Objektiv z.B. auf eine Canon EOS 750D* montiert, die einen Cropfaktor von 1,6 hat, dann „wirkt“ das Objektiv wie 119mm.

Die klassischen „Headshots“ kann man mit dem Objektiv aber immer noch machen. Bei einer Kamera mit Cropfaktor kann man für den Bereich aber auch ein 50mm Objektiv verwenden. Das habe ich schon im  Artikel zum 50mm 1,8  beschrieben.

Für wen ist das 85mm 1.8 was?
Genial bei Headshots!
Bei Portraitfotos empfehlen ich das 85mm Objektiv aber nur für Vollformatkameras. Das liegt daran, dass der typische Headshot-Bildausschnitt mit einem Cropfaktor überschritten wird, wenn man das Objektiv nicht an eine Vollformatkamera anschließt.

Hey, auch Profis nutzen das Objektiv!
Der bekannte Fotograf Calvin Hoolywood sagt, dass dieses 85mm Objektiv zu seiner „Lieblingslinsen“ gehört.
Das Zitat stammt aus dem Review-Video, das er auf einer Afrikareise aufgenommen hat. Das Objektiv sieht man dort auch im Einsatz.

Was spricht für das 85 mm von Canon?

Was mich überzeugt hat, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis (Mit ca. 320 € gehört das Objektiv zu den günstigeren Teleobjektiven.) sowie der gute Einsatzbereich für Headshots und Halbportraits. Hier nochmal kurz die Vor- und Nachteile in der Übersicht.

Vorteil:

– Günstig ! (mit ca. 320 € eine sehr günstige Brennweite)

–  lichtstark: 1,8 Blende

– gleichmäßiges Bokeh

Nachteile:
– kein Bildstabilisator (also für Videoaufnahmen nicht die erste Wahl)
– nicht variabel, da es eine „Festbrennweite“ ist.

 

Bild:

Bildquelle Amazon.de*

Fazit: Kaufempfehlung!

Ein leichtes Tele sollte jeder Fotograf, der Peoplefotografie betreibt, besitzen.
Das 85mm von Canon* erfüllt mehrere Anforderungen, die man an ein Objektiv haben kann: Es ist lichtstark, hat ein gutes Bokeh und es ist günstig. Deswegen ist es bei Anfängern wie auch bei Profis sehr beliebt (vgl. Review von Calvin Hoolywood). Klar, es gibt sicher Objektive, die schärfer und lichtstärker sind. Solche Objektive kosten aber in der Regel auch das Doppelte. Auch unter dem Aspekt Preis/Leistung rate ich deswegen, sich das Canon 85mm 1,8 mal anzuschauen.

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Kommentare

  1. Andreas Altenhoff  November 19, 2015

    Einen sehr schönen und informativen Bericht hast Du hier abgeliefert.

    Ich selber besitze ein 85mm F2.8 von Sony und bin mit der Festbrennweite „eigentlich“ ganz zufrieden. Da ich in der People- & Portraitfotografie nicht Zuhause bin, kommt die Linse bei mir auch eher selten zum Einsatz. Für Portraits ist dieses schon ideal, aber bei anderen Fotografiegebieten eher schwierig einzusetzen.

    Ich missbrauche das Objektiv gerne, da ich kein Makroobjektiv besitze schraube ich mir einfach einen Achromat vor das 85er.

    Gruß, Andreas

    p.s.: Ich glaube einen kleinen Fehler im Bericht gefunden zu haben:

    „Für wen ist das 85mm 1.8 was?
    … mit einem Cropfaktor überschritten wird, wenn man das Objektiv an eine Vollformatkamera anschließt.“
    Müsste da nicht „Kamera mit einem APS-Sensor“ stehen?

    antworten
    •  November 19, 2015

      Hallo Andreas,

      1000 Dank für das kritische lesen!
      Du hast völlig Recht, der Satz ist falsch. Bei der letzten Korrektur des Textes habe ich scheinbar das „nicht“ rausgestrichen.
      Es sollte eigentlich heißen:

      wenn man das Objektiv nicht an eine Vollformatkamera anschließt.“

      Keine Ahnung wie das passiert ist, ich habe das gleich mal korrigiert.
      Nobody is perfekt…

      Der Tipp mit dem Achromat ist eine wirklich gute Ergänzung, damit man ein Teleobjektive auch als Nahlinse verwenden kann.
      Ich habe lange Zeit mit einem Makro Objektiv Portraits fotografiert. (und dafür auch schon viel Kopfschütteln erhalten :)
      (mit einem Tokina 100mm 2.8 ). Das hat auch wunderbar geklappt. Ein Nachteil dabei war, dass mir u.A. der Autofokus etwas zu langsam war.
      Dann bin ich auf das 85mm von Canon umgestiegen.

      Beste Grüße
      Stephan

      antworten

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