Makroobjektiv für Portraitfotos? Der Objektivvergleich: 85mm vs. 100mm!

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Makroobjektiv für Portraitfotos:
85mm vs. 100mm!


Der Objektivvergleich das TOKINA 100mm 2.8 und das CANON 85mm 1.8 im Portraittest 

Kann ich ein Makroobjektiv auch für Portraitfotos verwenden?
Ihr wollt eine kurze Antwort?
Klar doch!
Aber dabei gibt es einiges zu beachten:
Der Autofokus ist langsamer und der Schärfebereich feiner.
Wenn Ihr damit leben könnt, ist alles OK! Um das Thema etwas zu verdeutlichen habe, ich mein Makroobjektiv (Tokina ATX 2.8 100mm*)
mit meinem Standart-Teleobjektiv (Canon 1.8  85mm*) verglichen.
Ja ich weiß, man könnte jetzt denken: „Du kannst doch nicht 85mm mit 100mm vergleichen“.
Darum geht es nicht!
Es geht nur um die „Portraitnutzung“. Sprich wie gut kann ich ein „Spezialobjektiv“ für die Peoplefotografie einsetzen. Dabei ist die Brennweite nicht so wichtig!
Ich erzähle euch also meine Praxiserfahrungen und berichte euch etwas über auch die Mehrfachnutzung von Objektiven.

Die Objektivfrage: Ein Objektiv und verschiedene Verwendungszwecke, geht das?
Immer wieder stoße ich auf verschiedene Fragen zu Objektiven:

„Welches Objektiv empfiehlst du für Portraitfotos?“
„Für was kann ich Objektiv XY noch verwenden?“
„Wie sieht es mit der Bildschärfe aus?“

Dazu muss ich sagen, ich bin kein „Objektivexperte“, sondern nur ein Praktiker, der nach folgendem Leitspruch handelt:
kleinster Einsatz mit größter Wirkung“.
Sprich, ich versuche immer mit minimalen Mitteln so viel herauszuholen, wie es nur geht.
Deswegen kann ich auch etwas zur Mehrfachnutzung von Objektiven zu sagen, weil ich sehr lange in dem Bereich „Objektive“ minimalistisch gearbeitet habe.

50mm 1.8 – Mein persönlicher „Objektiv-Liebling“. Da habe ich die Rosarote Brille auf. dieses Objektiv hat nur Vorteile! (Bei Kritik verschließe ich einfach die Ohren und singe La La La :) – Bildquelle Amazon*

Meistens haben Objektive einen bestimmten Verwendungsweck.
Dieser hängt an der Funktion (z. B. Makro) und der Brennweite.
Objektive, die man für verschiedene Zwecke nutzen kann, haben immer Vor- und Nachteile.
Mit einer Ausnahme: das 50mm Objektiv!
DSLR-Anfängern empfehle ich uneingeschränkt ein 50mm 1.8 Objektiv.
Das ist günstig,lichtstark und man kann damit sehr schöne „offenblendige“ Fotos machen. Für den Einstieg in die Portraitfotografie ist es gut geeignet und auch für viele andere Fotobereiche ist ein Normalobjektiv sehr nützlich.
Sprich das 50mm 1.8 ist das „Universal-Tool“ unter den Objektiven.
Da hört der Spaß mit der Mehrfachnutzung aber fast schon auf.
Aber da gibt es noch was:
Nämlich der Klassiker „Ich nutze ein Makroobjektiv für die Peoplefotografie“.
Der umgekehrte Fall ist: “Ich nutze Zwischenringe und mache mein Standardobjektiv zum Makro“.
Der wird hier aber nicht besprochen. Das geht aber auch :)

Statue-Blende-2.8

Foto mit Offenblende.
Mein Freund die Statue musste wieder als Model herhalten. Fokussiert wurde auf die Nasenspitze.
Es gibt keinen großen Unterschied im Schärfebereich bei Blende 2.8

Wie sieht es nun mit Makroobjektiven in der Portraitfotografie aus?

Ganz allgemein gesagt, ist ein Makro dafür gedacht „kleine Motive“ zu fotografieren.
Wenn es ein Tele-Makroobjektiv ist, dann kann man es auch gut für Portraitfotos nutzen.
Da ein leichtes Teleobjektiv optimal für Portraitfotos ist (wenn ihr daran zweifelt, dann schaut euch dazu meinen  meinen 85mm 1.8 Artikel an)
Beim Makro gibt es aber einige Besonderheiten, die mit der Bauart des Objektivs zusammenhängen.

 Was ist die Besonderheit bei einem Makro-Objektiv?

Der Abbildungsmaßstab ist besonders wichtig.
Makroobjektive wollen ja „kleines ganz groß machen“.
Damit man das hinbekommt, haben sie einen großen Abbildungsmaßstab  (normalerweise 1:1 oder 1:2).
Mit diesen Objektiven ist es auch möglich bei einem sehr geringen Mindestabstand zum Motiv zu fotografieren.

Was bedeutet der Begriff Abbildungsmaßstab denn genau?
Naja, bei einem Verhältnis 1:1 ist der Bildausschnitt (das Motiv) genauso groß wie der Kamera-Sensor.
Mehr bedeutet das nicht.

Bildquelle Amazon*

Wie erreicht ein Makroobjektiv diesen hohen Abbildungsmaßstab?
Durch einige Besonderheiten in der Bauart:

Ein Makro-Objektiv hat meist eine kleinere Anfangsöffnung […]als ein Normalobjektiv. Dies reduziert die Bildfehler und erhöht die Schärfentiefe, die reziprok mit der Objektentfernung abnimmt.“
(Quelle Wikipedia)

Was folgt daraus, wenn man also ein Makroobjektiv mit einem Standartobjektiv der gleichen Brennweite vergleicht?

Die 3 Nachteile des Makroobjektivs:

  • meistens weniger lichtstark
  • Der Autofokus ist langsamer.
  • feinerer Schärfebreich (bei geringem Abstand)

Soweit die Theorie.
Nun zur Praxis.

Objektivtest-Blende-8

Kaum sichtbar, aber da:
Bei Blende 8 gibt es einen kleinen Unterschied im Schärfebereich. Der Fokus ist wieder auf der Nase, aber das Canon 85mm hat bei Blende 8 einen etwas größeren Schärfebereich.

 

Meine Erfahrungen mit einem Makroobjektiv in der Peoplefotografie 

Es geht.
Ja, es funktioniert sogar gut.
Man braucht aber etwas Geduld.
Der Kritische Faktor für mich ist der langsame Autofokus.
Bei einem Shooting bei dem Model und Fotograf Zeit haben, hatte ich nie Probleme. Mein Tokina-Objektiv brauchte halt etwas länger.
Anders sieht es aus wenn man schnell fotografieren möchte. Für Schnappschüsse ist das Makro nicht die beste Wahl. Für die Bereiche Street- und Eventfotografie kann ich das Objektiv auch nicht empfehlen.
Da muss es einfach schnell gehen.
Der feine Schärfenbereich hat mich nie wirklich gestört.
Ein Blick auf  meine Vergleichs-Fotos zeigt, dass die Unterschiede nicht so gravierend sind.
Ja, das 85mm Canon hat bei Blende 8.0 einen etwas größeren Schärfebereich (vgl. Foto).
Aber hey, das ist minimal und man muss schon genau hinschauen, um das zu erkennen.
Wenn man den Effekt kennt, kann man sich außerdem darauf einstellen.
Insgesamt kann ich nur Gutes über das Objektiv berichten.

Bildquelle Amazon*

Ja, warum bist du denn auf das Canon 1.8 umgestiegen?, könnte man ich jetzt fragen.
Also die Sache ist so: Irgendwann wollte ich ein „richtiges“ Portraitobjektiv.
Mehrfachlösungen sind zwar OK, aber niemals optimal.
Einem Foto-Anfänger, der ein Makro braucht und kein leichtes Tele-Objektiv hat, dem kann ich die „Mehrfachlösung“ ans Herz legen.
Sie ist einfach günstiger!
Wer hauptsächlich Portraits schießt, der sollte besser zu einem Standardobjektiv greifen. Durch die Verwendung von Zwischenringen  kann man solche Objektive auch „makrotauglich“ machen.
Generell würde ich jedem raten, lieber ein gutes Objektiv als zwei „mittelmäßige“ zu kaufen.
Sprich: Objektive sind teuer, überlegt euch was ihr braucht.

 

 

Tokina-und-Canon-Schärfebreich

Der Schärfeverlauf ist nur in der Ausschnittsvergrößerung sichtbar. Das Canon 85mm stellt bei Blende 8 den Nasenrücken etwas „schärfer“ (siehe Pfeil).

Fazit:
Ein Tele-Makroobjektiv wie das Tokina 100mm 2.8*  kann man auch gut für Portraitaufnahmen verwenden!
Ich habe das jahrelang gemacht.
Man muss sich nur an die Besonderheiten (langsamer Fokus, feinerer Schärfebereich ect.) gewöhnen.
Diese Besonderheiten machen das Objektiv aber für Eventfotos (schnelle Fokussierung) nutzlos.
Wenn man viel Portraitfotos macht und einen schnellen Fokus haben möchte, würde ich deswegen ein Standardobjektiv empfehlen (wie z.B. das Canon 85mm 1.8*).

 

 

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