Starfotos soweit das Auge reicht

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Retrospektive zum 60. Geburtstag von Anton Corbijn im C/O Berlin

Anton Corbijn hat sie alle fotografiert: Die Rolling Stones,U2, REM, Metallica und Herbert Grönemeyer. Jeder, der in den letzten 30 Jahren Musik gemacht hat stand vor seiner Kamera.
Was ist das besondere an Corbijns Fotos?
Auf seinen Bildern erkennt man die Stars erst auf den zweiten Blick. Das Foto, einer maskulin wirkende Dame entpuppt sich bei genauer Betrachtung als Rockmusiker.
Welche Berühmtheit verbirgt sich wohl hinter der britischen „Lady“ im Queen-Mumm-Outfit? Um das zu erfahren könnt ihr entweder Weiterlesen oder die Ausstellung besuchen.

Das Spiel mit dem Star-Image

Der holländische Fotograf Corbijn wurde in diesem Jahr 60. Deswegen kann man auch im C/O Berlin bis zum 31.1.2016 die Retrospektive seines fotografischen Lebenswerkes sehen.
Zur Fotografie kam er durch seine Liebe zur Musik. Deswegen zählten Musiker zu seinen bevorzugten Motiven. Bei seinen Starfotos schafft er es, die portraitierten Personen zu entfremden. Das erreicht er durch das Spiel mit den Merkmalen, die bei den Personen den Wiedererkennungswert ausmachen.

In der Ausstellung ist mir ein Foto aufgefallen, das im 2. Stock hängt. Mick Jagger, der Sänger der Rolling Stones ist dort in einem Oma-Kleid abgebildet. Zuerst fragte ich mich wer die ältere Dame wohl ist und wie sie in die Fotoausstellung kommt. Dann erst erkannte ich Mick Jagger.
Durch Skurillitäten (Rockstars in Kleidern) und ungewöhnliche Blickwinkel (die Hand von John Lee Hooker) gelingt es Corbijn geschickt den Betrachter zu täuschen. Der Star wird auf dem Foto versteckt und er Mensch betont.

In welcher Band spielt wohl Steven Hawking?
Der Physiker Steven Hawking wird beispielsweise in Rockstar-Manier mit riesiger Sonnenbrille von Oben fotografiert. Alles Typische an Hawking verschwindet durch den knappen Bildausschnitt. Da das Foto im Umfeld von Schauspielern und Pop-Stars hängt fragt man sich dann, in welcher Band oder Filmen der Mann wohl spielt.
Vielleicht spielt er Drums? Oder ist er Gitarrist? Möglicherweise auch Charakterdarsteller…
Dann schaut man auf die Beschriftung des Fotos und weiß, dass es kein Musiker ist.
Jetzt habe ich ein anderes Bild von dem weltbekannten Physiker im Kopf, der Die kürzeste Geschichte der Zeit* geschrieben hat.

Ai Weiwei, Damian Hirst und Lucian Freud sind auch zu sehen
Die Ausstellung ist ein „who is who“ von berühmten Persönlichkeiten. Das ganze wird durch den Promifaktor der Bilder auch nicht langweilig, denn Corbijn schafft es die bekannten Musiker, Schauspieler und Künstler auf eine Art zu präsentieren, die neu ist.
Mehrmals musste ich mich fragen: “Wer ist das denn?“
Erst nach 3-5 Sekunden wurde mir dann klar, wer auf dem Star-Foto abgebildet ist. Dieser Effekt habe ich nicht alleine bemerkt. Auch meinen Begleitern, die mit mir im C/O waren, ist das aufgefallen.
Einige Künstler die ich gesehen habe, waren mir nur über ihr Werk bekannt.
Mann schaut sich ein Foto an und denkt: „Wer sind denn die Teenager auf dem Spielplatz?“
Ein Blick auf den Bildtitel und man weiß, dass man vor der legendäre 80er Jahre Punkband The Undertones* steht.
Ich kannte nur ihren Namen und ihre Musik. Jetzt sind es für mich die Jungs auf dem Spielplatz.
Anders erging es mir mit den Helden der internationalen Kunst- und Kulturszene: Die Fotos von Lucian Freud (dem bekannten Maler), Damian Hirst (Mr. „Tigerhai in Formaldehyd“), und dem amerikanischen Autor  William S. Burroughs  (Und die Nilpferde kochten in ihren Becken*) waren mir gar kein Begriff.
Jetzt verbinde ich mit diesen Namen auch prägnante Bilder.
Hirst als Totenkopf und Burroughs als alter Mann neben einer durchlöcherten Zielscheibe.
Die Ausstellung eignet sich gut um Bildungslücken zum Stopfen.

Was ist Corbijns Geheimnis?

Seine Fotos kommen aus einer Zeit in die Beauty Retusche nicht das wichtigste an einem Portrait war!
Das Foto der der nackten „The Slits“ Sängerin Ari Up  neben der schwarz gekleideten Nina Hagen ist ein gutes Beispiel dafür. Es hat mehr Power als die weichgespülten „Pop-Sternchen-Fotos“ mit denen man heutzutage bombardiert wird.
Es leben die 80er Jahre!
In der Ausstellung erlebt man ein Stück Musikalische Zeitgeschichte.
Viel Punk, viel Rock etwas Hip-Hop, natürlich alles in Bildern.

Mann erkennt die Handschrift eines Fotografen der Alten Schule, der Experimente mit Drucktechnik und Motiven mag. Serien wie a.somebody oder Star Trak* zeigen die Starfotografie aus einer ironischen oder kritischen Perspektive. Einige seiner arbeiten nehmen auch Bezug auf die „Paparazifotografie“, die Corbijn scheinbar ablehnt.
Nicht die Stars, sondern das Thema der Star-Inszenierung dominiert die Ausstellung.

Musikthemen: Corbijn der Regisseur

Corbijn ist auch ein erfolgreicher Regisseur. Nach meinem Eindruck wird dieser Aspekt seines Schaffens nur angerissen. Man sieht einige Fotos von dem Nirvana Video-Dreh zum Song „Heart Shape Box“ und seinen „Joy Devision“ Film Control*, konnte ich imBuchladen des C/O findet. Insgesamt liegt der Fokus der Ausstellung klar auf seinen Fotografischen Arbeiten.

C-O-Berlin-Corbijn-Ausstellung

Vor dem C/O-Berlin: Ein Plakat zur Anton Corbijn Ausstellung.

 

Signierstunde  mit Corbijn: Samstag der 28.11.15 im C/O-Berlin

Eine kleiner Event-Tipp für Fotobuchfans:
Anton Corbijn ist diesen Samstag in Person vor Ort und setzt seine Unterschriften in seine Bücher. Vorausgesetzt, sie wurden in der Buchhandlung vom C/O-Berlin gekauft.

Wann: Am 28.11.2015 – ab 17 Uhr
Wo: im C/O Berlin
Wer: Der Fotograf Anton Corbijn
Was: Signiert der große
Link zum Event im C/O:

Wer noch ein Weihnachtsgeschenk für einen Fotografen sucht (z.B. einen Bildband von Corbijn mit Künstler Autogramm), sollte sich den Termin merken.

Fazit: Brillante Ausstellung von einem Meister der Portraitfotografie

Was Portraitfotos anbelangt bin ich mittlerweile schwer zu beeindrucken. Ich habe in dem Genre einfach schon recht viel gesehen. Von der Corbijn Ausstellung war ich wesentlich mehr als  begeistert. Deswegen sage ich das sich jeder, der sich für die Star- oder Portraitfotografie interessiert, mit Corbijn auseinandersetzen sollte.
Wer die Ausstellung verpasst hat sollte sich die Bildbände Hollands Deep: Photographien. Eine Retrospektive* und Anton Corbijn 1-2-3-4* ansehen.
Dort findet man die eindrucksvollen Bilder der Ausstellung in klein.

 

Links zur Vertiefung: Für echte Corbijn Fans:

Allgemeines zu Corbijn:

Anton Corbijn -Wikipedia Anton Corbijn – Webseite Ausstellung im C/O Berlin

Berichte zur Retrospektive (C/O Ausstellung):

Berlin.de Kulturadio.de Berliner Morgenpost.de Mitvergnügen.com Rbb-Online.de Stern.deN24.dedas erste.de

Bildbände von Corbijn:

Anton Corbijn: 33 Still Lives (2000)* – Star Trak (2009)*Inside The American (2010)*
–  Anton Corbijn 1-2-3-4 (2015)*  Hollands Deep: Photographien Eine Retrospektive (2015)*

Filme von Corbijn:

Control (2007)* The American (2010)*A Most Wanted Man (2014)*Life (2015)


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