#Freiheit = Kamikaze Simon? Künstler Vs Industrie

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#Freiheit Frohe Weihnachten Mediakraft

Wenn „seriöse“ Medien über einen You Tuber berichten, dann muss es um etwas Großes gehen! Um Themen wie #Freiheit! Als der You Tuber Simon Unge ein Video unter diesem Hashtag veröffentlichte , haben alle großen darüber berichtet: Handelsblatt Online,Spiegel Online ,die Welt, und die Bild Online.

Wer jetzt ein unrecht in der Größenordnung von Nelson Mandelas Haftstrafe erwartet wird enttäuscht werden: Im Kern geht um eine frühzeitige Vertragsauflösung. Ein   You Tuber (Simon) will von seinem  Netzwerk (Mediakraft) weg. Zu diesem Zweck hat er per Video bekanntgegeben das er seine beiden Kanäle schließt und einen neuen Kanal (unge) aufmacht! Wenn Mediakraft ihn nicht gehen lässt, dann bricht er halt aus!

Uninteressant?

Keineswegs, es geht um Wirtschaftsinteressen und den Ruf von Mediakraft!

Die Kanäle von „Simon Unge“ (bzw. Simon Wiefels mit bürgerlichen Namen) haben nämlich über 30 Millionen Aufrufe im Monat!

Ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk an seine Freunde von Mediakraft? Oder was steckt nun hinter dieser Michael Kohlhaas
Aktion
?

Blick über den Tellerrand: Eine Abrechnung mit der Musikindustrie

Konflikte zwischen Management und Künstlern sind keine Seltenheit.

Von der Musikindustrie hört man das oft. Die Vision des Künstlers  verträgt sich nicht immer mit dem   Absatzinteressen der Plattenindustrie.  Wer dazu einen süffisanten  Roman lesen möchte, dem empfehle ich „Kill Your Friends“von John Niven 

Aber Achtung! Der Roman ist stark auf dem Konzept Sex and Drugs   aufgebaut. Rock n Roll gibt es nur als lästiges „Handelsobjekt“, das man zu Geld machen muss. Die im Roman beschriebenen Methoden sind (hoffentlich) fiktiv und ironisch zu verstehen. Beispiele gefällig: Für Verkaufszahlen über Leichen gehen und Musiker mit Drogen gefügig machen. Das kann ja nur als eine Abrechnung mit der Musikindustrie zu verstehen sein. Obwohl, der Autor David Niven war jahrelang  R&A-Manager bei PolyGram und weiß möglicherweise doch wovon er spricht!

Zurück zu You Tube:

#Freiheit – Simons Ausbruch

Wer das Video #Freiheit von Simon nicht kennt, für den fasse ich die wichtigen Informationen zusammen:

Aber wer ist dieser Simon?

Na Simon, von (unge)spielt und (unge)filmt! Der  mit der Lonboard Tour durch Deutschland, der „Lets Player“ mit den Rastahaaren, der You Tuber der vegan lebt.

Klingelts?

Genau der, der mit der Freundin die  Beauty Videos macht (CatyCake).

Jetzt wisst ihr wer Simon ist. Nun die Story warum das Handelsblatt über ihn schreibt:

Mehr als 30 Millionen Aufrufe im Monat!

Simons zwei Kanäle haben eine Reichweite von mehr als ca. 30 Mio. Aufrufen im Monat! Das macht ihn zu einem der „Top You Tuber“ von Deutschland.

Beide Kanäle hat er aufgegeben! Warum? Weil er mit seinem Netzwerk nicht mehr zufrieden ist. Anscheinend wollte er sich von Mediakraft trennen, aber Mediakraft wollte sein klickstarkes Zugpferd Unge nicht so einfach gehen lassen. Aktuell kümmern sich wohl einige Anwälte um den Fall.

Was mach also Mr. U.?

Simon wagt also den Sprung ins ungewisse und schließt seine beiden (sehr profitablen) Kanäle.  Er macht einen neuen auf und sagt in einem Abschiedvideo: Tschüß Mediakraft!

Der neue Kanal  „unge“ hat innerhalb von einem Tag schon 400.000 Abonnenten erreicht. Das sollte genug sein, um davon leben zu können.

Mediakraft schaut in die Röhre und unge ist frei!

Die Moral von der Geschicht: „Liebes Netzwerk unterschätze die You Tuber nicht“.

Mediakraft bekommt den Stinkefinger gezeigt!

Bähmmm, mit voller Kraft gegen das Netzwerkschienbein!

Simon 1: Netzwerk 0

Mit so einer „Kamikazeaktion“ hat bei  Mediakraft sicherlich niemand gerechnet.

Was Herr Unge durchgezogen hat ist für Mediakraft aber  auch gefährlich.

Netzwerke leben von ihrem Ruf.

Wenn sich  einer der „Top Artist“ einfach aus dem Netzwerk ausklinkt, ist das für das Netzwerk nicht gerade gut. Wenn dann noch kritisch Äußerungen fallen läßt und der Künstler mit seinem Management nichts mehr  zu tun haben will, wirft das auch noch ein schlechtes Bild auf die Firma.

Das könnte Signalwirkung haben!

Wenn man vermutet, dass große You Tube Künstler keinen Vorteil mehr davon haben, in Netzwerken zu sein wackelt die Existenzgrundlage der Netzwerke.

Deswegen ist zu erwarten, dass sich das Netzwerk für diesen Fall vertraglich abgesichert hat. (bzw. nun eine rechtliche Lösung suchen wird)

Was macht ein Netzwerk und wie verdient es Geld?

Netzwerke funktionieren so: Das Netzwerk ist der Mittelsmann zwischen der Industrie und den einzelnen You Tubern. Ein Netzwerk ist also eine Art „Deal Maker“.

Das Geschäftsmodell von Netzwerken basiert auf den Vorteilen, die ihre Kunden durch eine Kooperation  mit ihnen haben:

Die Vorteile für die Künstlers (You Tuber):

–          Bessere Werbedeals

–          Mehr Wachstum durch „Netzwerksupport“ (z.B. Cross Media/Plattform Marketing)

–          Allgemeiner Support (z.B. in rechtlichen Fragen oder bei der Produktion von Videos ect…)

Der Deal Maker will auch ein Stück vom Kuchen

Netzwerke stehen also in der Mitte zwischen den You Tubern und der Industrie. Natürlich ist ein Netzwerk keine wohltätige Organisation sondern will Geld verdienen. Das kann es auf zweierlei Wege tun.

a)      Gewinnbeteiligung am Erfolg des Künstlers

(prozentuale Abgaben der Werbeeinnahmen die von Google (Aka You Tube ) kommen)

b)      Abgaben von der Industrie für die Werbedeals

Netzwerke

Mediakraft hat wohl voll auf A gesetzt!

Eine Quellen (Hey, Joe ), äußert die Vermutung, dass  Mediakraft ein starkes Interesse daran hat aufgekauft zu werden.Spekulationen im Netz sprechen von einer Summe von 350 Millionen Euro, die als Kaufpreis für Mediakraft auf den Tisch gelegt werden müssten.

Wer kauft sowas?

Ich meine, was sind denn die „Assets“ von einem Netzwerk? Wer macht einen „Millionendeal“  für  ein paar klapprige Verträge mit Künstlern, die schneller abspringen können, als man das Wort „Werbekunden“ sagen kann?

Geld im Internet zu investieren ist Risikoreich: (der, der StudiVZ  gekauft hat kann davon sicher ein Lied singen). Will ein Investor ein Unternehmen, das an einigen Schlüsselpersonen hängt (die Top You Tuber des Netzwerkes) kaufen, dann ist Obacht geboten.  Insbesondere, wenn diese unzufrieden sind und am liebsten aus ihren Verträgen raus möchten.

#Freiheit ein Synonym für Vertragsverletzung ?

Ich kenne die Verträge von Mediakraft und Simon nicht. Wie die meisten die zu dem Thema schreiben. Deswegen ist dieser Teil auch spekulativ. Was ich stark annehme ist, dass in den Verträgen von Mediakraft und Simon auch Nebenpflichten enthalten sind. Solche Nebenpflichten besagen dann z.B. das der Vertragspartner bitte nicht als „großer Stoffweckselendprodukt-Haufen“ zu bezeichnen ist.

Die Aktion „weg von Mediakraft“ mit dem Begriff #Freiheit zu umschreiben ist ein cleverer Move von Simon! Aber mal ehrlich, es geht nicht um, Nelson Mandela der 27 Jahre im Gefängnis gesessen hat für seine Überzeugung! Es geht um einen „Gamer“ dessen Vertrag  in einem Jahr eh ausgelaufen wäre.

Es gibt ärgere Probleme auf der Welt! Das solche Themen einen derartigen Hype auslösen stimmt mich auch immer etwas nachdenklich.

Position von Mediakraft

Die Position von einem Netzwerk ist mir aber klar. Eine Vertragsflucht darf sich ein Netzwerk nicht bieten lassen, weil sonst der Ruf und das Geschäftsmodell in Gefahr sind!

„Pacta sunt servanda“  sollte da wohl das Motto lauten.(lat. für Verträge sind einzuhalten, ein Ausspruch der gerne benutzt wird um „cool & rechtssicher“ zu wirken).

Einen Imageschaden hat Mediakraft jetzt jedenfalls weg. Angeblich gab es 80.000 Tweets mit dem Hashtag #Freiheit

 Konfliktpotential zwischen Firmen und Künstlern?

Wo Massen sind, da ist auch Geld.  Ein Künstler der Massen anspricht hat also die Möglichkeit mit seiner Kunst Geld zu verdienen. Bei You Tube läuft das über die Werbung.  You Tube ist kostenlos, deswegen auch die hohen Zugriffszahlen.  An dem Faktor „Werbung“ hängen die Drittinteressen. An dieser Stelle docken auch die Netzwerkversprechen an:

„mehr Reichweite, mehr Aufrufe, bessere Werbung = mehr Geld“.

Firmen haben bestimmte Vorstellungen wie ihre Produkte beworben werden sollen.

Dadurch kann es zu Inhaltlichen Konflikten oder Einschränkungen in der künstlerischen Freiheit der Videomacher kommen.  Ein ganz allgemeines Beispiel: Bei „Content“ der auf You Tube ab 18 Jahren ist (ja, den gibt es!), darf keine Werbung geschaltet werden.  Wenn ein You Tuber die „Sex Sells“ Karte zu stark ausspielt und YT das Video auf „ab 18“ setzt, dann gibt es für Ihn kein Geld.

Auch Zuschauer die mit  einem Addblocker surfen bringen dem You Tuber kein Geld ein.

Dieses zeigt, dass die Einnahmen die durch Werbung erzielt werden, die vor den Videos läuft, auch Nachteile hat.

Firmen haben ein Interesse ihre Streuverluste in der Werbung möglichst gering zu halten. Das heißt, dass die Werbung  die Zielgruppe bestmöglich erreichen soll.

Der Trick: „Product-Placement

Die Produktplazierung ist von der Schleichwerbung zu trennen. Auch wenn beide Begriff oft zusammen genant werden. Das kommt daher, dass einigen You Tubern in bestimmten Formaten (sprich „Hauls“) nicht immer klar abgrenzen, ob es sich um bezahlte Werbung handelt . („ich habe mir etwas gekauft“ hat halt eine andere Aussage als „die Firma xyz hat mir die Produkte geschickt“)

So Tickt die Industrie

Für die Industrie sind die You Tuber besonders spannend, bei denen ein Product-Placement besonders lohnend ist. Sprich, die vorgestellten Produkte sollten von den Zuschauern auch brav gekauft werden.  Herr Tutorial aka Sami Slimani, die immer fröhliche Grinsebacke, die von Jahn Böhmermann per Shotgun zu Konfetti verarbeitet wurde, gilt als Held in dieser Kategorie.

Es lebe der Konsum!

Bei Produkten die er vorstellt kann es schon mal passieren, das diese innerhaltb 24 Stunden ausverkauft sind (Beispiel ein Deo). Der Kerl ist der Traum jedes Drogerieketter!

Fazit: Prüfe die Verträge

Bei der Musikindustrie gibt es Absatzwege für die Labels notwendig sind. Oder besser gesagt, der Verwaltungsaufwand  ist in für die meisten Künstler zu hoch. Deswegen haben die Labels der Musik Industrie einen besseren Hebel um den Künstler zu binden.

Bei den You Tube Netzwerken sieht das anders aus. Ein You Tuber profitiert von einem Netzwerk besonders wenn er noch im Wachsen ist. Sobald er ein „Internet-Star“ geworden ist und eine gewisse Reichweite hat, scheint der Netzwerkvorteile nicht mehr ins Gewicht zu fallen.

Für Netzwerke sind große You Tuber wichtig! Sie haben eine hohe Reichweite und eignen sich deswegen auch als Werbeträger. Die Problemlösung: Das Netzwerk muss seine großen You Tuber stärker umwerben und mehr Zugeständnisse machen.

Das scheint bei Simon und Mediakraft schief gelaufen zu sein.

Für alle Künstler gilt aber gleichermaßen: Prüft die Verträge die ihr abschließt und überlegt euch mit wem ihr paktiert!

 

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