Streetphotography-Klage per Crowdfunding: Fotograf Espen Eichhöfer legt los

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Steetphotography Klage: Die Frau mit dem Leopardenmantel

Straßenfotografen aufgepasst, sonst kann es euch ergehen wie dem Fotografen Espen Eichhöfer

Der betreibt Streetphotography in Berlin. Direkt am Bahnhof Zoologischer Garten fotografierte er 2013 eine Frau in einem Leopardenmantel. Das Bild landet durch die Ostkreutz-Agentur  in einer Fotoausstellung vor der Galerie C/O Berlin.

Die fotografierte Frau fand das nicht so lustig, ließ das Foto entfernen und klagte auf Schadensersatz . Das Foto wurde umgehend aus der Ausstellung entfernt worden und die Schadensersatzklage ist laut Eichhöfer mittlerweile abgewiesen.(vgl. Video)

Ende? Nicht Ganz:

Auf diese Geschichte bin ich über das Magazin Kwerfeldein aufmerksam geworden, dort wird auf einen Artikel im Kölner Stadtanzeiger verwiesen. Wer das ganze etwas ausführlicher haben möchte, den verweise ich auf diese Quellen.

Die Crowdfunding Aktion:

Espen Eichhöfer will eine gerichtliche Klärung

 

Scheinbar will Espen Eichhöfer nun eine Lanze für die Streetphotography brechen. Er will über die Crowdfundingplattform StartNext Geld für eine Klage sammeln. Welches Verfahren er damit genau betreiben will, kann ich dem Video leider nicht entnehmen. Die Schadensersatzklage wurde vom Gericht laut des Videos  ja abgewiesen.

Was soll es nun werden: eine Feststellungsklage oder gleich eine Verfassungsbeschwerde? Letztere scheitern oft schon an der Zulässigkeit, und nur ca. 2 % der Verfassungsbeschwerden sind erfolgreich, aber das ist ein anderes Thema.

Ob diese Klage die deutsche Straßenfotografie rettet wage ich zu bezweifeln. Ich mag die Fotoarbeiten von Eichhöfer (schaut euch mal seine Internetseite an), aber  dem Klage-Projekt sehe ich kritisch gegenüber. Auf mich wirkt das wie ein Kamikaze Projekt, bei dem die Kosten auf die Crowdfunder umgelegt werden. Die Rechtslage ist insoweit klar, das nach § 22 S. 1 KunstUrhG eine Person grundsätzlich einwilligen muss, wenn ein Werk auf dem Sie dargestellt ist, ausgestellt werden soll. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn man Namen wie Henri Cartier-Bresson oder Robert Frank nennt. Auf die Ausnahmen des KunstUrhG will ich hier gar nicht eingehen, ich will nur sagen, wie ich die Erfolgsaussichten des „Projekts“  sehe.

Aber ich bin gespannt wie sich das weiterentwickelt.

Was haltet ihr davon?

Wiegt die Kunstfreiheit der Straßenfotografie höher als das Persönlichkeitsrecht einzelner Menschen?

 

 

 

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Kommentare

  1. Ann-Bettina  Januar 28, 2015

    Hallo,
    das ist wirklich eine schwierige Frage. Einerseits bin ich nicht der Regulierungsfan. Andererseits kann man sich leicht vorstellen, dass man mal selber betroffen wäre. Du würdest sicher auch nicht wollen, dass ein Foto von dir in einer etwas peinlichen Lage ausgestellt wird. Wer soll da entscheiden, was geht und was nicht? Da finde ich die Zustimmungslösung schon recht gut.
    Viele Grüße
    Ann-Bettina

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    •  Januar 31, 2015

      Hallo Ann-Bettina,

      ich verstehe zwar beide Seiten, gebe dir aber völlig recht.
      Ein normaler Mensch, der ohne sein wissen fotografiert wird muss die Möglichkeit haben, eine Verbreitung des Fotos zu stoppen. Gerade in Zeiten des Internets, in der Bildern sehr schnell um die Welt gehen ist das wichtig. Wenn ich in der Situation wäre würde ich fast genau so handeln. Ok, eine Schadensersatzklage hätte ich nicht angestrebt, aber ich habe schon mal einen Fotografen gebeten, dein Bild das ohne meine Wissen von mir entstanden ist aus dem Netz zu nehmen. Das hat auch ohne Klage problemlos funktioniert.
      Das Recht zu haben dieses gerichtlich durchzusetzen (falls der Fotograf meinem Bitten nicht nachkommt) finde ich deswegen auch gut.

      Das Argument:“In Hundert Jahren werden die Menschen nicht wiesen wie es auf deutschen Straßen ausgesehen hat, da wir keine Fotos machen dürfen“ finde ich irgendwie lächerlich. Nur weil ein paar Fotos nicht veröffentlicht werden können ist doch nicht gleich die ganze Straßenfotografie in Gefahr.

      Beste Grüße

      antworten
  2. Andreas Altenhoff  Januar 29, 2015

    Oh ein ganz schwieriges Thema, zumindest für mich. Ich liebe die Straßenfotografie, da entstehen meistens wahre „one-picture-movies“, ein einziges Bild, welches dem Betrachter eine ganze Geschichte erzählen möchte. Meiner Meinung nach sind die Streetlife Aufnahmen die mit am spannensten Fotografien, man kann lange an einem Foto verweilen, es gibt dort oft viel zu erkunden und man kann sich zu so einer Aufnahme viele Gedanken machen und hinein interpretieren. Das sollte jetzt wohl ein klares PRO für die Straßenfotografie sein.

    ABER, ich selber wurde vor nicht ganz so langer Zeit von jemanden heimlich fotografiert. Ich Stand an einer Fressbude und genoß gerade irgend eine Leckerei, als ich plötzlich bemerkte, dass ein riesiges Objektiv aus der Ferne auf mich zielte. Als der Fotograf bemerkte, dass er wohl erwischt worden war verschwand er auch schon in der Masse. Ich muss zugeben, dass ich mich in diesem Moment nicht ganz so wohl fühlte.

    In was für einer Pose fotografierte er mich?
    Hatte ich gerade meinen Mund weit geöffnet um ein Stück abzubeißen?
    Hatte ich vielleicht gekleckert?
    Saß meine Kleidung?

    Was hatte er für eine Kamera? In welcher Community muß ich nachgucken um die ganzen Fragen, die sich in meinem Kopf plötzlich abspielte beantworten zu können.

    Gut, dieses etwas ungute Gefühl ließ auch nach ein paar Minuten nach und ich hatte diesen Vorgang auch sehr schnell vergessen. Aber komisch war es dann doch. Das könnte man schon fast als ein CONTRA für die Streetlifefotografie werten.

    Ein schwieriges Thema, und man wird hierbei auch bestimmt nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Fragt der Fotograf vorher um Erlaubnis, ist die Atmosphäre, die Stimmung, die Spontanität, einfach das Authentische dann einfach weg. Das wäre ein großer Verlust für die Straßenfotografie. Andererseits kann man die „Opfer“ natürlich auch sehr gut verstehen. Jemanden ohne seiner Erlaubnis fotografieren und diese Aufnahme zu veröffentlichen ist nicht gerade die feine Englische Art.

    Schwierig!!!

    Gruß, Andreas

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    •  Januar 31, 2015

      Hallo Andreas,

      danke für diesen Super Kommentar!

      Ich bin bei der Frage auch etwas zwiegespalten.

      Ich habe auch eine kurze Zeit Straßenfotografie betrieben (meistens auf Events und auf Reisen). Dort war ich in der Regel immer so Auffällig, das man mich auch ansprechen konnte wenn jemand nicht wollte das er auf dem Foto ist. Es ist mir auch schon passiert, dass jemand zu mir kam und gesagt hat, “Hey lösch bitte das Foto.“(bzw. nicht veröffentlichen, mein Cheff soll nicht mitbekommen das ich in Berlin bin). Dem komme ich dann ohne wenn und aber nach. Bei Event Portratiaufnahmen Frage ich die Personen meistens direkt.

      Das selbst fotografiert werden habe ich auch schon einige male erlebt. Nicht nur auf der Straße, sondern auch auf einem Fotoworkshop bei dem ich als Teilnehmer war. Ein Fotograf, der auch an einem Workshop teilgenommen hat, hat sich einen Spaß daraus gemacht ein Foto von mir zu schießen (und in der Foto Community zu posten). Auf dem Fotos sieht man wie ich etwas verkrampft fotografiere. (Hey, wenn ich Fotografiere sehe ich einfach merkwürdig aus davon muss es keine Fotos geben). Er hat mich nicht um Erlaubnis gefragt, sondern das Bild als lächerliches „Making Of“ Foto veröffentlicht. Ich habe den Fotografen freundlich angeschrieben und ihn gebeten es aus dem Netz zu nehmen. Er ist dem dann auch nachgekommen. Normalerweise bin ich da nicht so eitel, aber wie die Aktion abgelaufen ist fand ich nicht in Ordnung. Der Fotograf hätte mich ja auch fragen können, bzw. das Foto mir mal zuschicken können. Wenn ich durch die FC klicke mich dann Foto entdecke wie ich schlecht getroffen bin finde ich das einfach nicht gut.

      Deswegen kann ich die Frau im Leopardenmantel absolut verstehen.

      Wenn man sein Foto dann in Übergröße auf offener Straße hängen sieht, kann das schon einen Schock auslösen.

      Wirklich ein schwieriges Thema

      Beste Grüße

      antworten

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