Promo um jeden Preis: Böhmermann macht den „unge“-Move! [Rant]

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Die Böhmermann-Frage: Promo um jeden Preis?

Muss sich ein Fotograf rechtfertigen, wenn er Geld für seine Bilder will?

Traurige Frage, aber scheinbar muss man sie mal ansprechen. Jan Böhmermann hat vor zwei Wochen durch seine Äußerungen gegen den Fotografen Martin Langer die Vorlage dafür gegeben. War das ein geschickter Promotion-Schachzug oder ist er da übers Ziel hinausgeschossen?

Der Fotograf hatte doch die Dreistigkeit Geld für seine Arbeit zu verlangen.

Wo kommen wir denn da hin, wenn ein Profi-Fotograf auch noch Geld für seine Arbeit will?

Der soll das gefälligst umsonst machen, damit Leute wie Böhmermann seine Arbeiten für ihren Twitterauftritt nutzen können!

Die Hintergrundgeschichte:

Böhmermann hat ein Pressefoto ohne Erlaubnis des Fotografen getwittert.  Er wurde daraufhin abgemahnt. Herr B. wollte die ganze Sache aber nicht so stehen lassen und musste „nachtreten“. Über die Abmahnung meckerte er per Facebook und Twitter, dabei erwähnte er den Fotografen demonstrativ.

Böhmis Show startet am 05.02, da brauch er PR

Über diesen Vorfall wurde schon in einigen Medien berichtet. Die Süddeutsche Zeitung schrieb darüber (Urheberrecht Royal), dass das Magazin Kwerfeldein den Fotografen Martin Langer nicht zu Wort kommen ließ. Das Magazin Nerdcore  schlug sich auf die Seite von Böhmermann und verwies auf den Blogger Dirk von Gehlen. (Klar, für Blogs, die davon leben, dass sie andere Inhalte teilen und kommentieren, ist Urheberecht per se „doof“). Ein Beitrag von Netzpolitik.org fasste die Böhmermann-Debatte mit ausgewählten Zitaten zusammen und sprach sich für eine Urheberrechtsänderung aus. Diese Änderung soll sich an „offenen Schranken“ und dem angelsächsischen Vorbild des Faire-Use orientieren. So, so Netzpolitik.org, denkt Ihr ernsthaft Böhmermann geht es um Urheberrecht?

Eine sehr gute Darstellung ist der Beitrag „Nicht lustig Herr Böhmermann“ aus der Feder von freelens.com. Dort werden die rechtlichen Aspekte behandelt, die in anderen Artikeln nicht auftauchen.

Der Blogartikel ist wirklich lesenswert!

Promotion im Deckmantel des Urheberrechts

Alle geben Böhmermann das, was er will: PR für sich und seine Show!

Ob dabei ein Fotograf über die Klinge springt, ist Böhmermann scheinbar egal.

Hey, der Zweck heiligt schließllich die Mittel, das gilt nicht nur im Privatfernsehen, sondern ist wohl auch bei den „Showsternchen“ der öffentlich-rechtlichen ein Leitmotiv geworden. Böhmi verbreitet einfach 8. provokante Fragen über Facebook, alles im Deckmantel einer „Urheberrechts-Disskusion“ und schon ist die Promotion-Maßnahme perfekt.

Applaus, Applaus Böhmi: Du hast es geschaft, du bist im Gespräch.

Böhmermann macht den „Unge-Move“

Warum fällt bei der ganzen Diskussion keinem auf, dass sich Böhmermann genau so verhält, wie die Personen, die er immer kritisiert?

Warum schreibt keiner, dass es um Promotion geht?

 

Wer das Rostock-Lichtenhagen Foto mit Hitlergruß und zugepisster Jogginghose twittert, wird vom Fotografen Martin Langer abgemahnt! 1000 €!

— Jan Böhmermann (@janboehm) 21. Januar 2015

 

Der Tweet vom 21.1.2015 kann zwar als Warnung verstanden werden, er hätte den Fotografen aber auch völlig aus dem Text streichen können. Als er das Foto getwittert hat, hatte er Ihn ja auch nicht erwähnt.

Ein ähnliches Verhalten hätte er bei  anderen Mediengrößen (wie z.B. Simon Unge) als uncoolen Moveabgestempelt.

Aber wenn es um Promo geht, dann ist das ja egal.

Ist Böhmermann das Kilo Salz in der „Himbeertorte“ der ZDF-Medienwelt?

Der Komiker Jahn Böhmermann macht seinen Job gut.

Sein Spott trift gezielt die Schwachstellen der Internet- und Medienwelt.

Seit einiger Zeit knöpft sich Böhmermann Personen aus der You Tube Community vor. Die zieht er ganz schön durch den Kakao, z.B. verkleidet er sich als Diktator und karikiert so die beliebten Haul-Serien.

Für alle die sich fragen: „Was ist ein Haul?“ Das ist ein Videoformat, bei dem Menschen Ihre Einkäufe präsentieren. Eine pure Kommerz-Show, die als Unterhaltungssendung verkauft wird. Vergleichbar  mit Tele-Shopping nur ohne den „Shopping“-Aspekt.

Er bezieht Stellung zu den Aussagen einzelner You Tuber, z.B. die politisch unreflektierten Äußerungen von Dner  oder der Auftritt von Simon Unge, indem er das Netzwerk Mediakraft angreift.

Alles Personen, die in der Öffentlichkeit stehen.

Alles legitieme Zielscheiben für Böhmermanns Spott!

Alles gute Arbeit für einen Satiriker.

Aber…

Bei einem Pressefotografen sieht das anders aus, der steht nicht in der Öffentlichkeit.  Es verbietet sich einfach seine „Fan-Scharen“ auf jemanden zu hetzen, der mit dem Medienrummel nichts zu tun hat.

Das ist Böhmermann:

Provozieren kann Herr B.

Warum schreibe ich so viel über jemanden, der scheinbar sein Handwerk versteht?

Weil er bei der Aktion zwei Verfehlungen begangen hat:

Erstens hat sich Böhmermann das falsche Ziel gesucht.

Zweitens er hat das falsche Mittel gewählt.

Bezogen auf das Mittel, das Böhmermann gewählt hat, hätte es eine Netiquette-Diskussion geben müssen.

„Ich werfe meinen Fans einen Fotografen zum Fraße vor“ ist ein No-Go.

Boxen: Rocky gegen einen 5-jährigen?

Man schaut sich doch  keinen Boxkampf „Rocky  gegen einen 5-Jährigen an“ und diskutiert dann darüber, dass Rocky gedopt hat, seine Frisur schief sitzt, dass der Schiedsrichter bestochen war und dass man die Boxregeln unbedingt mal ändern müsste?!

Warum schreibt keiner etwas über die „Gewichtsklassenfrage„?

Warum schreibt keiner über den Ekelfaktor, den es gibt, wenn ein Promi Aufmerksamkeit um jeden Preis will und durch seine Provokation auch Kollateralschäden in Kauf nimmt?

Hey, er hat 900 € Abmahngebühren in Promo umgewandelt

Böhmermann kritisiert selbst den Musiker „Fler“, der aufgrund eines unvorteilhaften Artikels bei dem verantwortlichen Journalisten vor der Haustür stand und mal geklingelt hat. Der Rapstar hat dann noch ein Foto von der Haustür des Journalisten getwittert, um seinen Fans zu zeigen, wo der Journalist wohnt. Fler wollte mit dem Journalisten scheinbar „nur mal reden“.

Scheinbar wollte Böhmermann „nur mal“ seinen Fans sagen, wer ihn abgemahnt hat.

Böhmermann macht es dem Rapper Fler nach

Ok, der Fairnis halber muss man sagen, dass er nicht gleich die Adresse und Telefonnummer von Martin Langer gepostet hat. Diese rauszubekommen schaften seine Fans wohl alleine. Diesen Eindruck erhält man jedenfalls, wenn man das Statement von Langer liest, der von ungewollten nächtlichen Anrufen berichtet und auch andere Anfeindungen erwähnt.

Mensch Böhmi, dem hast du es aber gezeigt!

Na Böhmi, da kannst du aber stolz auf dich sein. Ganz wie die „großen“ Internetstars konntest du auch mal deine Reichweite für einen Ego-Feldzug nutzen.

Mit dem Verhalten hast du dich auf eine Stufe mit Fler und Simon Unge gestellt, die du so kritisierst.

Warum macht Böhmermann nur den Unge Move?

Promotion?

In einem Interview hat Böhmermann dem You Tuber Simon Unge vorgeworfen, dass es ein „wahnsinnig uncooler Move ist, seine persönlichen Interessen mit seiner Reichweite durchzudrücken.

Da gebe ich dir 100% Recht Jan!

Das ist echt uncool.

Junge Menschen, die in den Star-Status „reingerutscht“ sind,  können sich moralisch mit:“Hoppla, ich bin ja noch etwas unerfahren“ rausreden.

Welche Rechtfertigung hat ein Medienprofi wie du dafür?

Promotion für deine Show?

Ach so, der Facebook Post  vom 30.01.2015

Ein kleines „Sorry“, dass die Namensnennung „unverhältnismäßig“ war und dann ein dickes „Aber“.

Mhm, was soll man dazu sagen?

Auf mich wirkt das wie eine Schutzbehauptung mit Null Reue.

Das Urheberrecht als Feigenblatt, um die nackten Werbeinteressen zu verstecken.

Jani, Du bist doch so eine Art Hobby Jurist. Also du warst jedenfalls mal Laienrichter, da kannst du ja kein Profi sein, denn die dürfen nicht Schöffen werden. Deswegen will ich auf deinem vorgetragenen Argument gar nicht rumhacken, sondern es einfach mal offen in Frage stellen.

Dein vorgetragenes Hauptargument auf Facebook war (sinngemäß zitiert):

Ich und Millionen anderer Menschen verstoßten täglich gegen das Urheberrecht, also muss man es ändern.

Denkst du ernsthaft, dass dieses Argument überzeugt?

Mit der Argumentation könntest Du sogar Mord und Totschlag in Bürgerkriegsgebieten rechtfertigen.

Es ist ein traurige Realität, dass sich Urheber nur schwer gegen Plagiate schützen können.

Frag mal Ada Blitzkrieg, was sie davon hält, wenn Ihre Tweets dazu genutzt werden um andere glänzen zu lassen.

(Mhm, in dem Artikel von Fräulein Blitzkrieg taucht auch dein Name auf „Jani“. Vielleicht liegt deine Einstellung zu dem Thema auch an dem Umfeld, in dem du dich bewegst. Woher der Witz stammt, ist scheinbar nicht so wichtig, nur wer ihn am lautesten erzählt.)

Ein Tempolimit aufzuheben, nur weil alle mal zu schnell fahren ist Blödsinn.

Davon sinkt die Zahl der Verkehrstoten sicherlich nicht.

Merk´ste selber, wa?

Das Thema wird schon seit einer Weile diskutiert und die „super Lösung“ hat bis jetzt noch keiner gefunden.

Aber jetzt wo es dich erwischt hat, da muss sich ganz schnell was ändern.

Warum ziehst du deinen Kollegen Olli Schulz da mit rein?

Kurze Info: Olli Schulz ist der Sidekick von Jan in der Radioshow „Sanft und Sorgfältig“. Er musste sich auch über den Fotografen in der Radioshow äußern. Die Radioshow soll inovativ und rebellisch wirken, deswegen essen die Moderatoren auch   in der Sendung. Das gab es schon in den 90er Jahren im Frühstyxradio, aber ich will ja nicht nörgeln.

Olli Schulz ist eigentlich ein symphatischer Singer-Songwriter-Spaßvogel. Also müsste der doch Verständnis für Künstlerprobleme haben.

Olli Schulz, eine Mischung aus Otto Walkers, Helene Fischer und Lemmy Kilmister.

Charles Schulzkowski macht den Bibo

Der Ausspruch:“Vielleicht lebt der Fotograf nur von dem Foto [..] Der hat vielleicht gedacht das ist sein Lebenswerk dieses Foto“ mit leicht ironischem Unterton wirkt nur anmaßend.

Aufgrund der Ereignisse in Rostock ist das Foto von zeitgeschichtlicher Relevanz. Es wird den Menschen in Erinnerung bleiben. Vielleicht schaft es dieses Bild (oder ein anderes Foto der 25er Serie) sogar in ein Geschichtsbuch.

Das kann man von „Tanz den Bibo“ nicht behaupten.

Selbst wenn der Fotograf nur von diesem Foto lebt, kannst Du sicherlich verstehen, dass er trotzdem Geld dafür sehen will. Nebenbei solltest du lieber Olli ganz beonders verstehen können, dass man als Künstler nicht gerne auf einen Song/Auftritt festgenagelt werden möchte.

Schau dir deinen 3 nach 9 Auftritt nochmal an und denk mal darüber nach.

Neulich wude Olli in der Fernsehsendung 3 nach 9  nämlich ganz schön hochgenommen.Der Grund: Sein Humor. Er wurde auf zwei alte Videoeinspieler festgenagelt. Dabei wollte er nur  seine neue Platte Feelings aus der Asche promoten!

Wie würdest du reagieren, wenn in den nächsten 10-15 Jahre alle zu dir sagen:

“Hey, mach mal Charles Schulzkowski und sing mal „Mach den Bibo“?

Selbst ein „One-Hit-Wonder“ erwartet eine Bezahlung für sein Werk!

Wie würdest Du dich denn fühlen, wenn „Tanz den Bibo“, ohne dein Wissen als Wahlwerbespott für die NPD genutzt würde?

Mhm, nicht so lustig, oder?

Da kann man wohl verstehen, das der Herr Langer nicht ungefragt sein Foto in einem blödel Tweet wiederfinden möchte.

Fazit: Eine Netiquette Diskursion wäre angebracht

Also liebe Medienleute, klaut keine Bilder von Fotografen und hackt nicht Ihnen herum, wenn ihr dabei erwischt werdet.   Fotografen haben auch einen schwierigen Job, der nicht gerade dankbar ist.

Promo könnt ihr sicher auch anders bekommen.

Medienhetze =  absolutes No-Go

Wer 150.000 Twitter Fans hat, sollte sich drüber klar sein was er tut, wenn er jemanden an den Pranger stellt.

Der Fall hätte eigentlich eine Netiquette-Diskussion lostreten müssen und keine Diskussion :“Brauchen wir ein neues Urheberrecht?“.

Klar brauchen wir eine Urheberrechtsänderung!

Solange es für Urheber aber keine bessere Lösung gibt, als die Vertretung durch Profis (Anwaltskanzleien), wird sich an der üblichen Vorgehensweise nichts ändern. Die Gewinner sind die Rechtsanwaltskanzleien, die ihr Geld durch Abmahnung verdienen und nicht die Fotografen.

Ein Herr Böhmermann könnte sich deswege auch vernünftig bei einem Herrn Langer entschuldigen. Also ohne ironischen Unteron, ohne „aber“ und auch ohne weitere Sticheleien. Das würde jedenfalls eine gewisse charakterliche Größe zeigen.

Aber vielleicht würde das ja dem Image von Hern B. schaden.

Anmerkung: Ich bin dazu übergegangen Jan Böhmermann und Olli Schulz direkt anzusprechen. Mir ist klar, dass diese den Artikel niemals lesen werden. Diese „unseriöse“ Äußerungsform ist nur zur Untehaltung des Lesers gedacht. Hey das ist schließlich ein Rant, also ist das Ganze mit einem Schmunzeln zu lesen.

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Kommentare

  1. Tina  Februar 6, 2015

    jaja das liebe Urheberrecht….ich bin ehrlich: von der ganzen Sache hatte ich bisher nichts mitbekommen. Manchmal verstehe ich da auch diese ganzen, extremen Streitfälle nicht so ganz. Ich meine: Wenn ich das Foto eines Fotografen twittere (oder sonstwie gebrauche), habe ich die Erlaubnis dafür einzuholen und für die jeweiligen Nutzungsrechte zu bezahlen – das sollte doch eigentlich mittlerweile fast jedem bekannt sein. Das ist nunmal so und das ist auch aus einem bestimmten Grund so. Denn auch Fotografen leben nicht allein von Ruhm und Ehre und verdienen es genau so wie jeder andere auch für ihre Arbeit entlohnt zu werden.
    Dass das so oft nicht verstanden wird, ist mir ein absolutes Rätsel. Damit ist es doch nur das gute Recht des Fotografen, jeden abzumahnen, der das einfach ignoriert. Und wenn einem Herrn Böhmermann das nicht passt, sollte er sich eben einfach vorher überlegen, was er denn da so verbreitet.
    Öffentliche Hetze gegen einen Fotografen, der nur sein Recht einfodert? Geht gar nicht.
    Liebe Grüße

    antworten
    •  Februar 11, 2015

      Hallo Tina,

      Danke für dein Feedback. Ich sehe das ganz genau so. Über die Geschichte bin ich auch nur durch Zufall gestoßen. Beim stöbern auf Kwerfeldein. Der Artikel hat mich dazu angeregt auch etwas darüber zu schreiben.

      Der Gedanke „wer Geld für Inhalte will ist Böse“scheint wieder in Mode zu sein.
      Die bekannte Foodbloggerin Mel von gourmetguerilla.de wurde vor kurzem auch angegriffen. Sie hat in einem Artikel mal erwähnt, wie viel Zeit und Geld sie ihren Blog investiert. Sie wollte damit nur zeigen, das sich die Leser nicht über einige gesponsorte Artikel aufregen sollen.
      Daraus wurde dann ein über 230 Kommentare lange Disskussion.

      Beste Grüße

      antworten
  2. RA Utikal  Februar 6, 2015

    Das Urheberrecht als solches infrage zu stellen ist natürlich nicht der richtige Weg; wohl aber kann man über die Höhe des Schadensersatzes diskutieren und natürlich über die Gebührenhöhe für eine Abmahnung.

    Der Gesetzgeber hat schon ein paar mal nachgebessert. Die Entwicklung der letzten Änderung bleibt spannend.

    antworten
    •  Februar 11, 2015

      Es freut mich sehr, das mein Artikel die Aufmerksamkeit eines Profis geweckt hat.
      Ich stimme da völlig zu, das „Wie“ sollte überdacht werden und nicht das „Warum“.

      Beste Grüße

      antworten

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