Selbstmanagement im Kunstbetrieb – [Buchrezension]

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Wie schaffe  ich die Selbstvermarktung als Künstler?

Die Lösung zu der Frage: Das Buch Selbstmanagement im Kunstbetrieb: Handbuch für Kunstschaffende von Kathrein Weinhold. Es ist eines der Bücher zum Kunstmarketing, die ein Künstler unbedingt lesen sollte.

Eine pointierte Analyser des Kunstmarktes und ein Wegweiser für Künstler, dass findet man in dem Buch von Frau Weinhold. Es steigt direkt bei der „Ist-Situation“ eines Künstlers ein und  zeigt ihm nicht nur, wie die Marktsituation aussieht, sondern auch wie er seine Kunst effektiv vermarkten kann.

Diese Informationen sind nicht nur für Fotografen oder Portraitkünstler interessant, sondern für alle bildenden Künstler. Das Buch ist aber mehr als ein Lehrbuch, welches Künstlern den Wege zum kommerziellen Erfolg aufzeigt: Es zeig, wie Künstler die  Aufmerksamkeit auf sich und dadurch auch auf ihre Kunst ziehen können. Dabei ist das Buch sehr analytisch aufgebaut, unterhaltsam und informativ zugleich. Die vielen Fußnoten, Quellen und Querverweise machen es zu einer wissenschaftlich fundierten Arbeit, die einen wahren Wissensschatz darstellt.

 

Der Aufbau des Buches:

 

1) Beruf Künstler

Das erste Kapitel zeigt die grundlegende Situation, in der sich ein Künstler befindet. Es werden Fragen behandelt, die sich ein Künstler ungern stellt, die aber unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten wichtig sind:

  • Wie ist die Konkurrenzsituation?
  • Wie viele Hochschulabsolventen gibt es?
  • Wie viele aktive Künstler befinden sich auf dem Markt?
  • Was verdient ein Bildender Künstler im Durchschnitt?

Durch Marktzahlen und Statistiken wird dargelegt, dass man bei der Konkurrenzsituation mehr als Talent braucht, um als Künstler zu bestehen.

 2) Das Geschäft mit der Kunst:

Das zweite Kapitel knüpft an die Frage an, was dieses „mehr“ ist,  welches ein Künstler braucht um seine Werke zu verkaufen. Ein  Überblick über den Kunstmarkt klärt folgende Punkte:

  • Wer sind die Akteure im Kunstmarkt.
  • Warum wird Kunst gekauft und von wem?
  • Wie entstehen die Preise für ein Kunstwerk?

Um diese Fragen zu beantworten, werden ausgewählte Akteure des Kunstmarktes vorgestellt und deren Erfolgsstrategien hinterfragt. Was machte einen Akteur erfolgreich?

Aufmerksamkeit macht einen Akteur erfolgreich!

Aufmerksamkeit ist die Währung des neuen Jahrtausends und „nichts macht erfolgreicher als Aufmerksamkeit“ (Seite 39).

Dieses Motto trifft auf Kunstmäzene wie Saatchi zu, der Künstler sehr geschickt vermarktet.

Dieser Abschnitt des Buches beschreibt auch seine Strategien. Welche Künstweke von welchem Künstler  wurden von Saatchi gekauft und verkauft? An dieser Frage  wird die Entwicklung vom alten und neuen Kunstmarkt gezeigt.

Der alte Kunstmarkt, wird als ein „Tauschhandel dargestellt: die ästhetischen Überlegenheit des Künstler wurde gegen die finanzielle Überlegenheit der Kunstkäufer und Gönner eingetauscht.

Der neue Kunstmarkt scheint sich mehr an kapitalistischen Gesichtspunkten des Gewinns zu orientieren.

Das Dilemma, das sich daraus für den  Künstler ergibt  wird wie folgt beschrieben:

[quote author=“Kathrein Weinhold – Selbstmanagement im Kunstbetrieb (S.57)“ content=“Jeder Künstler ist auch ein Überlebenskünstler, der sich schwer daran tut, mit der Kunst seine Rechnungen zu bezahlen und von der Gunst seiner Gönner und Kritiker abhängt. „]

“ Das Zitat zeigt, wie fragil die Position eines Künstlers ist, der mit seiner Kunst stark von anderen Menschen und sozialen Faktoren abhängt. Insbesondere wenn kapitalistische Gesichtspunkte im Kunstmarkt eine stärkere Rolle spielen als Fragen der künstlerischen Ästhetik.  Das Kapitel hinterlässt den Leser mit der nüchtern dargestellten Erkenntnis, dass wirtschaftliche Kenntnisse normalerweise nicht zu dem Kompetenzbereich eines Künstlers gehören und das dort Nachholbedarf besteht.

 

3) Selbstmanagement im Geschäft mit der Kunst

Im dritten Teil des Buches werden dann praktische Hilfen gegeben, um die wirtschaftlichen Kenntnisse, die für das Bestehen auf dem Kunstmarkt nötig sind zu vermitteln.

Dabei geht es wieder um die Frage, wie man sich als Künstler bekannt machen kann um so seine Kunst auch besser verkaufen.

Der Künstler als Marke

 Markenbildung ist der Schlüssel zum Erfolg, um einen Künstler und dessen Kunst interessant zu machen.

Dem Künstler „Picasso“, gelang es sich und sein Werk zu einer Marke zu entwickeln  Eine Marke, die noch lange nach seinem Tod bestand und finanzielles Gewicht hat.

Wie schafft es nun ein Künstler aus der Masse hervorzustechen? Das Buch zeigt wie es Picasso und Dali geschafft haben. Dadurch werden Verhaltensweisen für das Marketing abgeleitet, welche ein Künstler beachten sollte, wenn er in die Fußstapfen der bekannten Meister treten möchte.

Corporate Design & Zielgruppe beachten

Das Corporate Design eines Künstlers muss auf sein Werk und seine Zielgruppe abgestimmt sein. Im Buch wird sehr gut auf den Bezug zur Zielgruppe „Kunstkäufer“ geachtet. Die Sinusmillieus, die als eine Grundlage der Zielgruppenforschung gelten sind gut im Buch dargestellt.

Insgesamt wird einem Künstlern sehr umfangreich gezeigt, wer seine Kunst kauft. Diese Gedanken beziehen sich auf den zweiten teil des Buches, in dem die Akteuren des Kunstmarktes (die Käufer und Sammler),  vorgestellt wurden.

  4) Der Business-Plan für das Künstler-Unternehmen

Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit der Langzeitplanung des Erfolges. Die Einführung des Instrumentes „Business-Plan“ zeigt wie ein Künstler seine Tätigkeit koordinieren und strukturiert durchdenken kann.

Dar Wort „Business-Plan“ schreckt sicherlich einige Künstler ab. Muss es aber nicht!

Sich mit Überlegungen auseinander zu setzen, wie der Kunstmarkt in 5 Jahren aussieht erfordert keine 100% richtige Antwort.

(Anmerkung: Auch einige Wirtschaftsprofessoren sehen den Nutzen von Business-Plänen weniger in „richtigen Antworten“, als im Durchdenken von Problemen (Bsp: Günter Faltin im Buch  Kopf schlägt Kapital). Es ist selbst für Wirtschaftsgurus schier unmöglich das Marktverhalten einer Branche über 5 Jahren vorherzusehen.

Das Kapitel ist wichtig, weil ein Durchdenken der dort angeführten Fragen hohe praktische Relevanz hat. Was macht man, wenn sich der Kunstmarkt in 3 Jahren verändert oder der Bedarf gesättigt ist? Diese Frage sollte sich ein Künstler stellen, der seine Kunst verkaufen möchte um z.B. nicht in die Falle der „Überproduktion“ zu tappen.

Das Kapitel beschränkt sich auf wesentliche Fragen und Checklisten, die einem Künstler weiterhelfen. Mit Branchenfragen muss sich jeder Selbständige irgendwann beschäftigen und das Buch vermittelt auf 10 Seiten grundlegendes Business-Plan Know-How, das für die Kunstbranche erforderlich ist.

 

 5) Selbstorganisations Know-how

Das letze Kapitel beschäftigt sich mit weiteren praktischen Fragen wie z.B.

–       Welches Persönlichkeitsprofil sollte ein Künstler haben um erfolgreich zu sein

–       Wie sorgt man als Künstler für die Altersabsicherung

–       Was bringt der Status Freiberufler mit sich?

Die Fakten werden präzise, sachlich, messerscharf und unbarmherzig präsentiert.

Die Autorin verbindet hilfreiche Tipps mit einer präzisen Analyse des Kunstmarktes. Das Buch kann jeden Künstler weiterbringen, der es wirklich durcharbeitet. Elementare Fragen, wie man sein Netzwerk erweitert oder als Künstler eine Galerie findet,  sind genauso in dem Buch zu finden, wie  die Fragen nach Steuern, Kranken- und Altersversicherung.

Das Buch geht analytisch vor!

Das Buch geht in den ersten beiden Teilen sehr analytisch vor und baut die Handlungsempfehlungen der Kapitel 3 bis 5 auf diesen Gedanken auf. Die Tipps und Hilfestellungen zur Selbstvermarktung sind sehr klar verständlich gehalten.

Zeitlose Information, auch vor dem Social Media Boom!

Einen kleinen Abzug in der B-Note gibt es, bezogen auf die Internetvermarktung. Im Jahr 2005, als das Buch herausgekommen ist, war nicht absehbar, wie wichtig Social Media Marketing heute sein wird.

Die wesentlichen  Teile über die Internetpräsenz eines Künstlers und das Newsletter-Marketing bleiben meiner Meinung nach trotzdem aktuell. Insbesondere, da das Buch bei der Newsletter-Strategie auf Seth Godin verweist. Godin ist einer der Blog und Internetmarketing-Gurus, die über Jahre sehr erfolgreich geblieben sind. Die Grundlagen haben sich nicht geändert, auch wenn Facebook & Co dazugekommen sind.

Fazit: Ein Standadwerk

Das Buch ist ein Standardwerk für jeden, der sich ernsthaft mit dem Thema Kunstvermarktung auseinander setzt! Jeder bildende Künstler, der sich beruflich etablieren möchte, kann von der Lektüre des Buches profitieren. Die Kerninformationen sind zeitlos und haben heute genauso Bestand, wie vor fast 10 Jahren, als das Buch erschienen ist.  Das Buch hat mir sehr gut gefallen und ich kann es nur weiterempfehlen.

Die Autorin:

Kathrein Weinhold  war 10 Jahre als Galeristin und im Kunstconsulting  tätig.

Buch Steckbrief:

Titel:  Selbstmanagement im Kunstbetrieb: Handbuch für Kunstschaffende

Autor: Kathrein Weinhold

Taschenbuch Ausgabe: 320 Seiten  Auflage: 1. Aufl. (31 März 2005)

ISBN-10:  3899421442

Herzlichen Dank an den Transcript Verlag, der mir das Buch  als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Dieser Blogbeitrag ist meine unbeeinflusste Meinung zu dem Buch. Meine Buchempfehlung erfolgt ehrlich und unabhängig von Dritteinflüssen.

 

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Kommentare

  1. cherryphil  März 3, 2014

    Hello!,
    also, wenn das mal keine Ausführliche Rezension ist, vom Aufbau her ist sie dir sehr gelungen. Ich wollte dir auch unbedingt sagen, dass ich deinen Schreibstil mag. Sachlich & alles was man wissen muss, gefällt mir gut.
    Aber um mir dieses Buch für den betreffenden Grund zuzulegen, bin ich noch ein wenig zu jung, denke ich.

    Allerliebste Grüße,
    Ps. Ich mag total dein Blogdesign!

    antworten
    • Stephan Schwartz  März 3, 2014

      Hey danke für die vielen Komplimente :)

      (ganz besonders für das Blog Design, da bekomme ich sonst oft mal Kritik zu höhren 😉

      Das Buch ist schon sehr speziell, und richtet sich vor allem an und Bildende Künstler, die ihr „Kunst Business“ ausbauen wollen.

      Auch wenn das Werk nicht speziell für Fotografen ist, hat es mir sehr gut gefallen und deswegen wollte ich es auch unbedingt vorstellen.

      Wenn du Bücher suchst, die mehr mit Fotografie zu tun haben schau einfach mal in meine Buchempfehlungen oder in der
      Kategorie Kategroie Bücher vorbei.

      Beste Grüße
      Stephan

      antworten
  2. Julia  März 3, 2014

    Tolle Rezension, muss ich wirklich sagen! Sehr detailliert, kann man gut lesen :)

    Liebe Grüße

    antworten
  3. Iv  März 4, 2014

    Ich find‘ solche Bücher immer schwierig zu beurteilen von außen.

    Es gibt in diesem Genre sowohl gute als auch schlechte Wegweiser.

    Danke für deine Rezension.
    Das wird sicher dem ein oder anderen weiterhelfen.

    Liebst,
    Iv <3

    antworten
    • Stephan Schwartz  März 4, 2014

      Das Problem mit den Wegweisern kenne ich auch. Von schlechten Ratgebern könnte ich dir ein Lied, ach eine ganze Oper
      singen :)

      Ich habe mir aber vorgenommen hier nur Bücher vorzustellen die mich
      ansprechen und die ich gut finde.

      Obwohl es mich richtig in den Fingern Juckt einen Artikel mit meinen
      persönlichen „Top 10 der schlimmsten Foto und Kunstbüchern“ zu verfassen.
      Lasse ich das lieber

      Gruß Stepha

      antworten
  4. Tina  März 4, 2014

    ich bin zwar keine bildende Künstlerin, aber ich denke auch für die Musikbranche kann man sich da evtl ein bisschen was abgucken – funktioniert in einigen Dingen ja sehr ähnlich.
    Liebe Grüße

    antworten
    • Stephan Schwartz  März 4, 2014

      Stimm schon, vieles aus dem Buch trifft auf Künstler im Allgemeinen zu (z.B. die Markenbildung, oder man Aufmerksamkeit für Sein Werk bekommt)

      Bezogen auf die Marktanalyse sind beide Branchen meiner Meinung recht unterschiedlich. (auch wenn ich mich bei der Musikindustrie nicht so gut auskenne)

      Ich denke aber, dass die Musikbranche in vielen Bereichen anders aufgebaut als die „Gallerie-Szene“. Das z.B. sehr hohe Beträge für Einzelstücke gezahlt werden ist in der Musikbranche nicht so verbreitet.
      (z.B. 3,1 Millionen Euro für das Gursky Reihn II) Auch das „Besitzdenken“ (wenige Personen können ein Orginal besiten) als Abgrenzungskriterium, ist in der Musikbranche nicht so verbreitet. Ich kenne keinen der ein „Musikstück“ besitzen möchte, die meisten Menschen wollen Musik höhren oder leben. Das ändert die Vermartungsstrategie und die Zielgruppe auf die sie abzielt.

      Diese einzigartigen Aspekte des Kunstmarktes haben das Buch für mich auch sehr interessant gemacht.

      Lieben Gruß Stephan

      antworten

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