Das gekaufte Web – Buchrezension

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Das gekaufte Web

Wie Frei ist das Internet noch?
Ertrinkt man beim Surfen nicht förmlich in Werbung, Advertorials und versteckter Schleichwerbung?
Michael Firnkes hat ein Buch geschrieben, dass von diesem Trend der „Kommerzialisierung des Internets“ handelt.
Seit ich gehört habe das Firnkes an einem Buch zu dem Thema arbeitet, war ich auf die Veröffentlichung des Werkes wirklich gespannt. Das Buch „Das gekaufte Web“* ist dieses Jahr im  Telopolis Verlag  erschienen und ich  kann nur folgendes sagen: Das Warten hat sich gelohnt!
Mit Begeisterung habe ich das Werk gelesen und freue mich, es hier vorstellen zu können:

Das gekaufte Web: Wie wir online manipuliert werden* gibt einen Einblick, wie es wirklich um das freie Web bestellt ist. Das Buch stellt dar, dass es in der Welt von Facebook, Google und Co. nichts „umsonst“ gibt. Man zahlt nur mit einer anderen Währung für den Gebrauch der Dienste. Anstelle von Geld gibt man z.B. seine Nutzerdaten preis oder wird mit Beiträgen gefüttert, die nichts anderes als geschickte Werbung sind.

Im Buch bringt Firnkes die „Social-Media-Situation“ wie folgt auf den Punkt:

"wir sind nicht die Kunden von Facebook sondern deren Produkte“ 

(vgl. Seite.193)

Also gilt: Was nichts kostet, taugt auch nichts“?

Scheinbar schon, denn der Leser wird u.a. in die dunkle Welt des „Linkschwarzmarktes“ und des des Affiliatemarketings eigeführt. Zu diesem Thema zeigt das Buch ausführlich, wie Inhalt und Affiliateumsatz zusammen hängen.
Um das Ergebnis zu verraten: (Spoiler alert! Spoiler alert!)
Gewinne mit kostenlosen Inhalten zu erwirtschaften, tut den Inhalten nicht gut.

Die Methoden und Tricksereien, um effektiv aus Klicks Geld zu machen, werden erklärt. Laut Firnkes handelt es sich bei den beschriebenen Methoden nicht um Einzelfälle, sondern um die Regel.
Der Autor muss es wissen, denn er ist ein Profi im Blog- und Internetmarketing. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der Materie und verfügt über hervorragendes  Fachwissen. (Anm: Ich verweise auf Firnkes Blog-Marketing-Klassiker Blogboosting, den ich schon besprochen habe.)

Tacheles von einem Blog-Profi: Ein sehr ehrliches Buch

Firknes nimmt in dem gesamten Buch kein Blatt vor den Mund und bleibt dabei  trotzdem analytisch und ehrlich zugleich. Er plaudert aus dem Nähkästchen und berichtet u.a. von dem Finanzblog, den er jahrelang betrieben hat. Er schreibt darüber folgendes:
Angesichts der beschriebenen Praktiken bleibt ein fader Beigeschmack, der mich heute noch beschäftigt.“

 Text-Spinning die der Zukunft des Internets

Und was ist so schlimm daran?
Wird das Internet in Zukunft durch kommerzielle Texte, die von Programmen erstellt oder Vervielfältigt wurden (Text-Spinning) dominiert werden?

Die Gefahren und die möglichen Folgen, des gekauften Webs führt Firnkes an vielen Beispielen aus.
Was passiert, wenn sich Inhalte an Interessen und kommerziellen Absichten orientieren?
Das Problem besteht nicht nur darin, „einfach“ auf eine „Werbemeinungen“ hereinzufallen. Wenn diese Entwicklung weiter geht, könnte eine neutrale und unabhängige Presse langsam verschwinden.
Oder ist das schon passiert?

Viele Webinhalte zielen darauf ab mit allen Mitteln Aufmerksamkeit zu erzeugen. Es wird dargestellt, dass selbst Onlineableger von“ renommierten“ Zeitungen wie Zeit oder Spiegel den Aufmerksamkeitskampf betreiben.
Die Folge: “Bildniveau“ an allen Fronten. Plumpe Themen, die Klicks versprechen werden wichtiger gewertet und der Masse zuliebe bevorzugt behandelt, da diese Einnahmen versprechen.

Fazit: Für wen ist das Buch?

Das Buch ist gesellschafts- und internetkritisch und schafft es trotzdem niemals mit dem erhobenem Zeigefinger anzukommen.
Für dieses Kunststück hat Firnkes schon mal einen Preis verdient.
Auch der nicht internetaffine Leser kann das Buch verstehen. Die Erklärungen sind so einfach gehalten, dass sie auch von „Internetmuffeln“ verstanden werden. Wer sich etwas in der Materie auskennt, kann sich leicht der Meinung anschließen, dass die beschriebenen Methoden erst die „Spitze des Eisberges“ sind. Ich hatte beim Lesen ab und zu einen Matrix-Moment und fühlte mich wie Neo, der die rote Pille geschluckt hat dadurch  langsam die Zusammenhänge erkennt.

Das Buch macht die“kommerzielle“ Internetwelt nicht schlecht. Ganz im Gegenteil, zum Abschluss wird eine Vision vermittelt, wie der Einzelne mit den „Web-Kommerz“ umgehen kann und was für Entwicklungen stattfinden müssen um Content-Produzenten und Konsumenten zufriedenzustellen.

Das Buch ist für jeden, der sich für das Internet interessiert. Angemerkt sei, dass das Buch kein Ratgeber ist. Man lernt kein Internetmarketing, sondern Zusammenhänge und warum ein gewisser „Ehrenkodex“ auch für Internet-Publisher sinnvoll ist.

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Mein Dank geht an den Telopolis Verlag
, von dem ich das Buch  als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen habe. Der Blogbeitrag ist meine unbeeinflusste Meinung über das Buch. Meine Buchempfehlungen erfolgen ehrlich und  unabhängig.
* Bei den mit Sternchen markierten Links handelt es sich um Amazon Affiliate-Links.

 

 

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