Porträt und Reportage [Buchrezension]

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Heute stelle ich das Buch Porträt und Reportage: Der lauschende Blick von Jürgen Wassmuth vor. Das Buch legt Schwerpunkt auf die Reportagefotografie von Menschen und zeigt ausschließlich schwarzweiß Fotos.


 Buchinhalt:

Hinter dem Onomatopoetischen Titel des Buches verbergen sich 8 Kapitel, die verschiedene Aspekte der Reportagefotografie vorstellen. Dabei arbeitet das Buch auf 3 Ebenen: Erläuterungen von Wassmuth, Fotos und die Geschichten hinter den Fotos. Dabei habe ich besonders die Fotos, die von Wassmuth geschossen wurden und  seine  Geschichten, die hinter diesen Aufnahmen stecken genossen.

Die Fotos –Sprung ins Wasser, Sowjetarmee und Kleinkinder

Die Fotos sind sehr unterschiedlich. Es werden Momentaufnahmen gezeigt, wie das Foto der 3 Aktmodele, die an einem heißen Sommertag in der Ruhr baden. Der Sprung ins Wasser wurde festgehalten. Bildserien, welche die Tochter des Fotografen als Kleinkind mit einer Gießkanne zeigen, lassen eine Spur Familienalbum erkennen.  Andere Fotos haben das Potential in einem Geschichtsbuch zu landen. Wie das Foto der Sowjetarmee, die einen Platz abriegelt hat. Im Hintergrund sieht man eine alte Dame mit Einkaufstaschen, die unbeeindruckt von der Absperrung als einzige Person den Platz überquert

Der richtige Umgang mit den Menschen und Bildern

Ein Hauptthema des Buches ist der respektvolle Umgang mit den Mitmenschen. Wie schaffe ich es pietätvoll eine Beerdigung zu portraitieren? Was mache ich, wenn ich auf die Fotoarbeit angesprochen werde? Diese Fragen beantwortet Wassmuth mit Praxisbeispielen, Erlebnissen und Anekdoten aus seiner jahrelangen Berufserfahrung als Fotoreporter.

In dem Buch werden auch Tipps zur Bildkomposition, dem unerkannten Arbeiten als Reporter gegeben. Dabei werden seine Hinweise mit Zitaten und Anekdoten von bekannten Fotografen wie Cartier-Bresson oder Erich Salomon unterlegt. Das obligatorische Kapitel zum Recht am eigenen Bild findet sich in dem Buch genauso wie Fragen der Kameratechnik und wie man mit Blitz- und Gegenlicht umgehen soll. Auch der „Digitale Workflow“ wird erwähnt.In einem Kapitel werden die Geschichten zu den einzelnen Fotoreihen erläutert. Wie sind die Fotos  entstanden und was steckt dahinter?

Meine Meinung

Das Buch lebt von Geschichten!

Die Arbeitsmethoden und Tipps zur Fotografie leben durch die Erzählungen, die den Kern des Buches ausmachen. Dem Leser wird Wassmuths Sichtweise der Reportagefotografie nahegebracht. Auch wenn Reportagefotografie nicht mein Spezialgebiet ist und das Buch in den technischen Aspekten nicht in die Tiefe geht, hat mich das Buch unterhalten.

Die Bilder in dem Buch leben vom zweiten Blick.

Nicht alle Fotografien in dem Band sind wirklich beeindruckend!

Manche zeigen auch nur die Banalitäten des alltäglichen Lebens. Wie die Fotoserie von einem kleinen Kind mit einer Gießkanne. Aber auch das ist Dokumentations- und Reportagefotografie. Auch dabei handelt es sich um Portraits.

 Was ist gut an dem Buch

Die Geschichten die mit Fotos unterlegt sind!

 Ob es sich um eine Mexikoreisen, einen USA-Aufenthalt oder die Dokumentation eines Schützenfestes im Sauerland handelt: Fotografien werden mit Geschichten verknüpft.

Die Einstellung des Autors

Die Erläuterungen und Hinweise, dass man Menschen nicht als „Knipsobjekte“ sondern als Personen betrachten soll – sogar muss, wenn man ernsthaft Reportagefotografie betreiben möchte – hat mir sehr gut gefallen! Gerade in Zeiten, in denen selbsternannte „Street Photographer“ Hochkonjunktur haben und die „Ich knipse alles ohne Rücksicht auf Verluste“-Mentalität auf dem Vormarsch ist, finde ich solche rationalen Äußerungen, die zu etwas Umsicht auffordern sehr wichtig!

Das Buch hat Charme

Auch wenn es sicherlich ausführlichere Bücher zu technischen Aspekten der Fotografie und zur Bildkomposition gibt, hat das Buch einen gewissen Charme. Dieser Charm wird nicht durch athemberaubende Fotos erzeugt. Das symphatische an dem Buch ist die Kombination von Fotografien und die Erzählungen wie dieses Foto zustande gekommen ist.

Was verbessert werden könnte:

Weniger ist manchmal mehr.

Das Buch beinhaltet sehr viele Fotos!

Einige finde ich als gut, andere empfinde ich als banal.

Sicherlich ist eine gute Mischung der Aufnahmen für ein Fotobuch wichtig.  Mich persönlich überzeugen jedoch nicht alle Fotos. Das mag daran liegen, dass ich die Bilder unterbewusst mit den Augen des Portraitfotografen und nicht mit denen des Reportagefotografen betrachte. Inszenierte Fotografie ist mehr mein Metier. Der Versuch authentisch-dokumentarisch zu arbeiten verfolgt einen anderen Ansatz.

Wenn ich einen Verbesserungsvorschlag für das Buch machen müsste, dann würde ich eine etwas pointiertere Fotoauswahl vorschlagen (Das ist natürlich ein heikles Thema, welches ich selber kenne, da  jedes Foto das „Baby“ des Fotografen ist und man keines vor die Tür setzen möchte).

Für wen ist das Buch gedacht:

Wer sich für traditionelle Reportagefotografie interessiert und wer neugierig auf Geschichten von einem Fotografen „der alten Schule“ ist, der kann aus dem Buch bestimmt etwas mitnehmen.

Der Teil bei dem auf den zwischenmenschlichen Umgang eingegangen wird und der Hinweis, dass es auch besser sein kann ein Foto „nicht“ zu machen, sollten sich kann für einige „Street Photographer“ sehr lehrreich sein. Wirklich eingefleischte Streetphotography-Fans werden mit dem Buch nur teilweise glücklich werden. Diese sollten dann doch besser zum neusten kostenlosen Ebook von Thomas Leuthard greifen

Alle die sich technische Anleitungen oder detaillierte Beschreibungen zu dem Beruf Fotograf mit Schwerpunkt Reportagefotografie erhoffen, werden enttäuscht werden. Diesbezüglich bietet das Buch kaum Informationen.

Ist es den Preis wert?

Mit 29,95 € ist das Buch auch nicht unbedingt ein Schnäppchen.

Anmerkung: unter dem Problem leiden viele Bildbände, die nicht in hoher Auflage gedruckt werden können. Deswegen würde ich das Buch nur eingefleischten Reportagefotografie-Fans und auch Streetfotografie interessierten empfehlen.  Wer denkt, das er  sich von der  Mischung aus Bildern und Geschichten angesprochen fühlen wird, für den kann das Buch interessant sein.

Wer Bilder sucht die alleine beeindrucken ist bei dem Buch falsch!

Der Autor:

Jürgen Wassmuth ist Reportagefotograf und Dozent an der Fotoschule Dortmund

Buch Steckbrief:

Titel:  Porträt und Reportage: Der lauschende Blick
Autor: Jürgen Wassmuth
Taschenbuch Ausgabe 176 Seiten  Auflage: 1., Auflage (12. März 2013)
ISBN-10: 382669449X

Einen ganz Herzlichen Dank geht an den MITP Verlag, der mir das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Der Blogbeitrag stellt meine unbeeinflusste Meinung über das Buch dar. Eine mögliche Buchempfehlung erfolgt ehrlich und  unabhängig von Dritteinflüssen.

 

 

 

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